Category : Entwicklung

Geistige und körperliche Entwicklung

Bewegung fördert die gesamte Entwicklung

Bewegung liegt dem Baby von Anfang an im Blut. Sie ist Voraussetzung für seine körperliche und geistige Entwicklung. Unterstützen Sie die angeborene Bewegungsfreude ihres Nachwuchses! Es ist ganz einfach und macht allen Spaß.

DAS ERSTE JAHR PRÄGT UNSER GANZES LEBEN

Sind Kinder musikalisch? Nicht alle in gleicher Ausprägung, das ist klar. Nicht jedes Kind entwickelt sich zum Geigenvirtuosen oder hat das Talent zum Rockstar. Tatsache ist aber, dass das Baby schon im Mutterleib Töne und Melodien wahrnimmt, auf diese mit deutlichen Bewegungen reagiert und nach seiner Geburt offensichtlich auch wiedererkennt. So wie ihm Mamas und Papas Stimme von Anfang an vertraut sind und auch das Bellen des Hundes – sofern Sie einen haben. Babys nehmen Geräusche, Töne und Melodien schon sehr früh im Mutterleib wahr. Und das Gefühl für Rhythmen und Musik hilft ihm bei der Entwicklung seiner motorischen Fähigkeiten im Säuglings- und Kleinkindalter.

Rhythmus liegt uns im Blut

Renate Zimmer, Professorin für Sport- und Bewegungswissenschaft an der Universität Osnabrück, beschäftigt sich seit langem mit dem Thema. Ihre klare Aussage: „Rhythmus bestimmt von Anfang an unser Leben. Zentrale Fähigkeiten wie die Raum-Lage-Wahrnehmung, das Gleichgewichtsempfinden und die Körperwahrnehmung werden erst in Bewegung angeregt und ausgeprägt.“ Bewegung ist also eine zentrale Voraussetzung für Entwicklung.

Bewegungsprogramm

Eltern können die Entwicklung ihres Babys fördern, indem sie seine angeborene Bewegungsfreude durch altersgerechte Animation unterstützen und fördern. Sobald die Kleinen dazu in der Lage sind, strampeln sie mit Ärmchen und Beinen, bewegen ihr Köpfchen und klatschen in die kleinen Händchen. Klatschen Sie also ruhig selbst rhythmisch in die Hände und machen Sie lebhafte Kopfbewegungen. Babys freuen sich über das Bewegungsprogramm, das ihnen geboten wird und setzen alles daran, den Spaß selbst mitzumachen. Wenn die Kleinen sitzen können, kann man dem Nachwuchs durch Bewegungsspiele wie Wippen und Hoppe-Hoppe-Reiter viel Spaß bereiten. Nehmen Sie Ihr Baby auf den Arm und tanzen Sie zur Musik. Das Baby genießt sowohl die Musik wie auch die Bewegungen.

Motorische Fähigkeiten

Die Bewegungen zu Musik machen den Kleinen nicht nur jede Menge Spaß, sondern fördern auf ganz spielerische Art auch ihr Körpergefühl. Rhythmische Bewegungen sind ein wichtiger Baustein für die Entwicklung seiner motorischen Fähigkeiten und eine Voraussetzung für die Koordinierung seiner Körperbewegungen

Was Kinder noch stark bewegt und stark macht für sein Leben?

Die Liebe und das Vertrauen seiner Eltern. Sie sind am Anfang des Lebens die wichtigste Basis für seine emotionale Entwicklung und geben ihm den nötigen Rückhalt für das ganze Leben. Im Laufe seiner Entwicklungsfortschritte sind Stürze und kleine Blessuren unvermeidlich. Haben Sie keine Angst, dass ihr kleiner Schatz sich verletzt, nehmen Sie ihm nicht den Mut, sich und seine Möglichkeiten auszuloten – auch wenn es mal wehtut. Wenn das Baby weiß, dass Mama und Papa helfend und tröstend zur Stelle sind, traut es sich trotz der kleinen Rückschläge immer mehr zu. Von 100 Versuchen, sich am Tischbein hochzuziehen, gehen garantiert 99 schief.

Du schaffst das

Aber Ihr Kind wächst mit und an den Herausforderungen, die das Leben bereithält. Es möchte wachsen, damit es irgendwann auf seinen eigenen Beinen stehen kann. Geben Sie ihm die Unterstützung, die es braucht. Zeigen Sie ihm: Du kannst das schaffen – auch wenn du immer wieder auf den Hosenboden fällst! Lass dich nicht entmutigen – auch wenn es mal wehtut! Trau dich – auch wenn es unmöglich erscheint! Wir sind da und fangen dich auf – wann immer du uns brauchst! Denn wir lieben dich und wir trauen dir zu, dass du deinen Weg gehen wirst!

So geht Ihr Kind seinen Weg

Übervorsichtige, ängstliche Eltern möchten ihr Kind vor jedem Schmerz und jedem Rückschlag bewahren. Damit tun sie ihrem Nachwuchs aber keinen Gefallen. Erst die Übung macht den Meister. Rückschläge machen schlau und stark!

Nehmen Sie sich Zeit für Ihren Nachwuchs. Sie müssen weder sich selbst noch Ihr Baby unter Termindruck setzen, damit es in den Genuss aller denkbaren Frühförderungskurse kommt.

Legen Sie eine CD ein, nehmen Sie Ihr Baby auf den Arm – später kann es sich auch schon alleine zum Rhythmus der Musik bewegen – und tanzen Sie durch die eigenen vier Wände! Es ist ganz einfach, die angeborene Bewegungsfreude zu fördern. Und wetten, dass Ihnen die Verbindung von Musik und Tanz auch guttut?

Musik kommt schon vor der Geburt beim Baby an. Ihr Kind registriert schon in der Schwangerschaft, welche Töne Mama besonders gerne mag. Und es entwickelt seinen eigenen Geschmack. Testen Sie es. Ruhige Melodien beruhigen das Baby, Technomusik regt an. Da macht es auch Sinn, dem Baby im Mutterleib immer wieder eine Beruhigungsmelodie vorzuspielen, die in unruhigen Situationen später beruhigend wirkt.

Bewegung bringt Bewegung ins Gehirn

Ergebnisse der Hirnforschung haben gezeigt, dass bewegte Kinder auch geistig beweglicher sind. Bewegung macht es möglich, dass der Nachwuchs seine Motorik zu koordinieren lernt. Im Gehirn passiert etwas ganz ähnliches. Hier müssen sich Milliarden Zellen miteinander vernetzen, damit das Gehirn seine Aufgaben und Funktionen richtig wahrnehmen kann. Für die Bildung dieser Synapsen ist Bewegung das beste Training.

Osteopathie - Hilfe für Ihr Baby

Wie Osteopathie Babys hilft

Immer öfter suchen Eltern mit ihren Babys die Hilfe von Osteopathen. Die Gründe reichen von langanhaltendem Schreien der Kleinen über häufiges Erbrechen bis hin zu Dreimonatskoliken. Auch in späteren Jahren etwa bei Wachstumsstörungen, Konzentrationsschwächen oder Wasser im Ohr führt für viele der Weg mit ihren Kindern zur schonenden manuellen Therapie. Der Arbeitskreis Kinderosteopathie des Bundesverband Osteopathie e.V. – BVO zeigt, wie die osteopathische Behandlung den Kleinen hilft und worauf Eltern achten sollten.

Sanften manuellen Techniken

Osteopathie ist ein eigenständiger medizinischer Ansatz für Vorsorge, Untersuchung und Behandlung. Er basiert auf der Erkenntnis, dass der gesamte menschliche Körper eine Funktionseinheit ist. Alle Strukturen wie Organe, Gefäße, Gewebe und Knochen stehen in Verbindung und besitzen eine normale Grundspannung. Blutkreislauf und Lymphsystem sichern die Versorgung der Bestandteile beispielsweise mit Nähr- und Botenstoffen. Störungen und Überspannungen beeinträchtigen die Zirkulation und Zufuhr etwa von Sauerstoff und Hormonen. Beschwerden wie Rückenschmerzen oder Magenleiden, die ihren Ursprung in Blockaden an ganz anderer Stelle haben, können entstehen. Dort setzen Osteopathen mit ihren Händen an und lösen die Störungen mit sanften manuellen Techniken auf.

Spannungen am Bindegewebe

Osteopathie ermöglicht eine wirksame und gleichzeitig schonende Behandlung für typische Beschwerden von Säuglingen, Kleinkindern und Heranwachsenden. Das gilt beispielsweise für Schreikinder: Rund jedes fünfte Neugeborene gehört dazu, weint über einen längeren Zeitraum oft, fortdauernd und heftig. Eine Belastung für Kind und Eltern, besonders, wenn bisher keine greifbaren Ursachen gefunden wurden. Einen Grund für das Schreien sieht die Osteopathie unter anderem in Spannungen am Bindegewebe der Nahtstellen der Schädelknochen. Die Knochen sind noch beweglich, haben sich bei der Geburt auf- und zugefaltet. Sind dabei an den Knochennähten Verklebungen oder Blockaden entstanden, führt das zu unangenehmem Druck. Osteopathen spüren die Spannungen mit feinfühligen Tastbewegungen auf und normalisieren diese.

Dreimonatkoliken

Auch Dreimonatkoliken können bei Säuglingen zu Unwohlsein führen. Anstatt nur Symptome zu lindern, greifen Osteopathen die Ursachen an. Oft liegen diese in einer mangelnden Hormonversorgung und Mobilitätsstörungen des Darms, der dadurch verkrampft. Stuhl verweilt zu lange im Darm, Blähungen entstehen und die Babys verspüren kolikartige Schmerzen. Osteopathen ertasten die Verkrampfungen und lösen diese. Sie normalisieren zudem die Versorgung des Verdauungstrakts. Erbrechen sich Babys übermäßig, liegt das meist am Magenpförtner (Pylorus), der sich nicht richtig in den Darm öffnet. Durch eine Verengung kann Nahrung nicht weitergeleitet werden und wird erbrochen. Osteopathen lösen die Verkrampfung am Magenausgang und mobilisieren den Pylorus, sodass eine vollständige Öffnung erfolgen kann.

Wachstumsschmerzen

Weitere Einsatzfelder ergeben sich auch in späteren Entwicklungsphasen der Kinder. Haben sie etwa Flüssigkeit im Ohr, lassen sich durch Osteopathie operative Eingriffe vermeiden. Die Ursache liegt in Blockaden des Verbindungskanals zwischen Rachen und Ohr. Meist ergeben sie sich durch Spannungen an den Knochennähten im Umfeld der Verbindungsröhre. Durch eine osteopathische Behandlung lassen sich Verklebungen lösen und der Abfluss von Flüssigkeiten wiederherstellen. Ein anderer Bereich sind Wachstumsschmerzen, die auftreten, wenn sich Knochen und umliegende Strukturen unterschiedlich schnell entwickeln. Mit manuellen Techniken fördern Osteopathen die Versorgung von Muskeln, Faszien und Bändern. So können sie mit dem Knochenwachstum wieder schritthalten.

Kinderosteopathie

„Osteopathie für Kinder ist eine Spezialdisziplin der Osteopathie“, unterstreicht Christoph Bellmann vom BVO-Arbeitskreis Kinderosteopathie. „Sie erfordert eine besondere Ausbildung. Babys und Heranwachsende sind mitten in ihrer Entwicklung. Beständig verändern sich ihre Muskeln, Gewebe und Knochen ebenso wie ihr Hormonhaushalt und Stoffwechsel. Kinderosteopathen benötigen umfassende Kenntnisse zu Entwicklung und Wachstum der Kleinen, um ihre Beschwerden sicher und wirksam behandeln zu können.“ Der Bundesverband Osteopathie e.V. – BVO zertifiziert Kinderosteopathen mit einem speziellen Siegel. Die Therapeuten müssen dafür eine reguläre Osteopathie- sowie eine umfangreiche Kinderosteopathie-Ausbildung nachweisen.

Über den Bundesverband Osteopathie e.V. – BVO

Der Bundesverband Osteopathie e.V. – BVO ist die berufliche Interessenvertretung für alle osteopathisch arbeitenden Therapeuten, Schulen und Einrichtungen in Deutschland. Seit 15 Jahren setzen sich die Organisation und ihre über 2.600 Mitglieder für eine Anerkennung der Osteopathie als Beruf durch ein Bundesgesetz ein. Als Basis dafür fordert der Verband eine Ausbildung mit mindestens 1.350 Unterrichtseinheiten begleitend zu einem Beruf als Arzt, Physiotherapeut, Heilpraktiker und medizinischen Masseur oder eine Vollzeitausbildung mit mindestens 5.000 Unterrichtseinheiten. Für die jährlich Millionen Patienten von Osteopathen führt der BVO in einem Online-Verzeichnis Therapeuten, die diesen Standards folgen. Dort findet sich zudem eine Liste mit rund 100 gesetzlichen Krankenkassen, die Osteopathie als wirksame medizinische Leistung teilweise oder ganz bezuschussen.

Quelle: Bundesverband Osteopathie e.V. www.bv-osteopathie.de

Im Tragetuch unterwegs

Sicher und geborgen bei Mama

Das Baby ganz nah im Tragetuch bei sich zu tragen ist heute wieder weit verbreitet. Eine Tradition, bei Naturvölkern bis heute vor allem aus praktischen Gründen ausgiebig praktiziert, die laut vieler Studien sowohl physiologisch als auch psychologisch den Bedürfnissen des Babys perfekt entgegenkommt.

Eltern fragen sich schnell: Kann es gesund sein, das Neugeborene so gekrümmt zu tragen? Es wirkt „komisch“ und fast ungesund. Schließlich kann das Baby ja noch nicht einmal seinen Kopf allein halten. Doch hier begehen Eltern einen Denkfehler. Denn der Körperbau eines Babys unterscheidet sich in vielem von dem eines Erwachsenen: Es hat einen ausgeprägten Rundrücken, der Winkel der Hüftpfanne ist sehr flach, die Beinchen setzen eher seitlich an und sind in Ruhestellung stark abgespreizt.

In grauer Vorzeit wurden Babys getragen

Säuglinge ziehen die Beine an und breiten die Arme aus, wenn sie angehoben werden oder sich ausruhen. Es sieht so aus, als wollten sie etwas umfassen, und das hat vermutlich seinen Grund: In grauer Vorzeit, als das Rad noch nicht erfunden und an Kinderwagen noch nicht zu denken war, waren unsere Ahnen in Sachen Nahrungsbeschaffung ständig auf den Beinen.

Wer nicht laufen konnte, wurde eben getragen. Die Säuglinge klammerten sich an ihre Mütter. Der Reflex, sich festzuklammern, existiert bei Neugeborenen heute noch. Der Greifreflex der Hände verschwindet aber in den ersten Lebenswochen – er macht auch wenig Sinn, wenn die Mutter kein Fell hat. Die Spreiz-Anhock-Haltung der Beine bleibt dagegen erhalten, bis das Kind auf eigenen Füßen steht.

Die Spreiz-Anhock-Haltung

Anatomische Untersuchungen zeigen, dass bei Neugeborenen der Oberschenkelkopf ideal zur Hüftgelenkpfanne orientiert ist – sie also gleichmäßig ausformt – wenn die Beinchen zu etwa 100 Grad angezogen sind, bei gleichzeitiger Spreizstellung von etwa 40 Grad. Der runde Rücken (Kyphose) streckt sich nicht unmittelbar mit der Geburt. Vielmehr bildet sich die bekannte Doppel-S-Form der Wirbelsäule erst mit dem Beginn des selbstständigen Gehens aus. Sie entwickelt sich dann mit dem Training der Rückenmuskulatur, aber nicht durch Formung von außen.

Diese anatomischen Gegebenheiten legen, zusammen mit dem Klammerreflex der ersten Lebenstage, den Schluss nahe, dass Säuglinge speziell daran angepasst sind, am Körper getragen zu werden. Auch über die ideale Trageposition scheint demnach eine Aussage möglich: mit gespreizten, angehockten Beinchen, leicht gerundetem Rücken und zum tragenden Erwachsenen hin orientiert.

Viele Gründe sprechen dafür

Dem pflichtet auch Dr. Ewald Fettweis, Facharzt für Orthopädie, Aachen, Mitglied des Berufsverbands für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V., bei: „Ideal wäre es, wenn die Babys möglichst häufig in entsprechenden Tüchern getragen würden. Die Hüftgelenke des Neugeborenen sind für das Reiten auf der Hüfte konstruiert. Die knöchernen Winkel am oberen Oberschenkelende gewährleisten eine optimale Einstellung der Hüftköpfe in die Pfannen. Für das Tragen am Körper sprechen viele Gründe, nicht zuletzt im psychologischen Bereich. (…) Alles, was Sie brauchen, ist ein ausreichend großes Tuch aus schadstofffreier Baumwolle, das in beide Richtungen – nicht zu viel und nicht zu wenig – dehnbar ist.

Runder Rücken

Das Tuch muss, wenn Sie es sich umlegen, bis zur Kniekehle reichen. Wenn Sie den Rand umschlagen, erhalten Sie die gewünschte Stabilität. Es muss gut über den Rücken Ihres Babys, der darin rund ist und sein soll(!), passen und bei den Kleinsten auch den Kopf stützen. Diese lernen dann oft schon nach wenigen Tagen, ihren Kopf selbst zu kontrollieren. Der Rücken leidet nicht durch das Tragen, eher tut dies der Entwicklung der Wirbelsäule gut. Tragen auf dem Bauch ist nicht ganz so günstig. Die Beine sind dabei oft zu sehr gestreckt. Wenn die Kinder älter sind, kann man sie ohne Probleme am Rücken tragen.“

Die Tuchauswahl

Mittlerweile gibt es viele Anbieter auf dem Markt der Tragetücher. Wichtig ist, dass die Tücher weich sind und der zarten Haut des Babys nicht weh tun. Gleichzeitig sollten sie fest sein, damit sie nicht reißen und natürlich keinerlei Schadstoffe enthalten. Ein Traditionsunternehmen in Sachen Tragetücher ist der deutsche Hersteller Didymos, der seit 1972 die Tücher anbietet, von vielen Hebammen empfohlen wird und von der Zeitschrift Ökotest schon mehrfach mit Bestnoten ausgezeichnet wurde – letztmalig im August 2016 mit der Note „sehr gut“ für die Tragehilfe DidyTai Modell Ellipsen rubinmandarine.

Neben der Tuchwahl stellt sich auf die Frage: Welche Größe ist die richtige für mich? Dazu bietet Didymos auf seiner Homepage www.didymos.de einen Größenrechner an. Welche Wickeltechnik sich anbietet und wie sie funktioniert – auch darüber gibt es Anleitungen in Form kleiner Filme und Texte. Über diese ganz praktischen Tipps hinaus finden sich auch historische Informationen ebenso wie medizinisches Backgroundwissen zum Thema Tragetuch.

Körperliche Nähe – lebenswichtig für Neugeborene

Der renommierte Forscher Prof. Dr. Bernhard Hassenstein, Institut für Biologie der Universität Freiburg, bezeichnete es als „schweren Fehler, ein Baby in einem entlegenen Raum unterzubringen, so dass man sein Weinen nicht hört“. Mit einem Tragetuch kann das nicht passieren, und schläft das Kind nachts bei den Eltern, ebenfalls nicht.

Gründe, die für beides sprechen: Ist der Säugling in solch einem Raum, belässt man ihn in der Situation des Verlassenseins, so dass er immer wieder lange Zeit seine gesamte Verhaltenskapazität auf die Beseitigung seiner vermeintlichen Bedrohung zusammenfasst. Prof. Hassenstein: „Es ist falsch zu meinen, einem Säugling müsse zwar geholfen werden, wenn er aus Hunger weint oder weil die Windeln nass sind, man solle ihn aber ruhig schreien lassen, wenn er ,nur Gesellschaft will, weiter gar nichts’”.

 

 

Der Spion im Smartphone

Der Spion im Smartphone

Kinder sind immer schneller digital unterwegs. Die ersten Youtube-Videos werden meist schon vor dem 2. Geburtstag angeklickt, das Symbol kennen die Kleinen schneller als sie sich selbst die Schuhe zubinden können. Schon im Vorschulalter haben die meisten verstanden, dass sie auch Apps herunterladen können. Das nutzen Firmen oft aus. Wer nicht aufpasst, stellt ihnen jede Menge Daten zur Verfügung. Technisch ist es zum Beispiel möglich, dass Apps mithilfe des Mikrofons zuhören. „Der Sion im Smartphone“ Gerade erst ist bekannt geworden, dass knapp 1000 Apps mit einer Software ausgestattet sind, die scannt, was die Nutzer im Fernsehen schauen.

SCHAU HIN!

rät deshalb, sich vor dem Download genau zu informieren.

Technisch ist es heute problemlos möglich, dass Apps – auch, wenn sie gerade gar nicht genutzt werden – den Nutzer „belauschen“. Genauso kann zum Beispiel per GPS verfolgt werden, wohin sich die Smartphone-Besitzer bewegen. Manche Programme wollen Zugriff auf die Kamera oder die Kontakte, auch, wenn das gar nicht notwendig ist. Meist stehen dahinter kommerzielle Interessen. „Unternehmen wollen Produkte verkaufen. Mit dem Smartphone haben sich viele neue Möglichkeiten der Marktforschung ergeben. Nutzer müssen genau aufpassen, welche Funktionen der Geräte genutzt werden – und wofür“, sagt SCHAU HIN!-Mediencoach Iren Schulz.
Die New York Times hatte gerade erst darüber berichtet, dass etwa 1000 Apps mit Software des Herstellers „Alphonso“ ausgestattet sind. Die Software hört mit, ob Nutzer fernsehen, und wenn ja, welche Werbung sie sehen. Dann wird anhand von Bewegungsprofilen verglichen, ob die Menschen zum Beispiel in der Werbung angepriesene Geschäfte tatsächlich besuchen.

Der Spion im Smartphone – Was Eltern beachten können

„Alphonso“ betont, dass die Software in den App-Stores beschrieben ist und in den Geschäftsbedingungen auf die Nutzung hingewiesen wird. SCHAU HIN! empfiehlt deshalb, sich Apps vor dem Download immer genau anzuschauen. „Ein Blick in die Geschäftsbedingungen und App-Beschreibungen lohnt sich immer – auch wenn das Zeit kostet“, sagt Schulz. „Außerdem können nach dem Download viele Zugriffsberechtigungen einer App wieder deaktiviert werden – so auch das Mikrofon.“ Es gebe in aller Regel keinen Grund dafür, dass Spiele-Apps für Kinder auf Fotos, Kontaktlisten, den Standort, das Mikrofon und die Kamera zugreifen müssen. „Wenn die Aktivierung dieser Funktionen von der App verlangt wird, ist es empfehlenswert, die Gründe dafür zu prüfen und abzuwägen, ob sie nachvollziehbar sind“, sagt Schulz.

Empfehlungen folgen und Smartphone richtig einstellen


Empfehlungen für gute Kinder-Apps finden Eltern zum Beispiel durch Softwarepreise, wie dem TOMMI. Auch auf www.klick-tipps.net finden Eltern kindgerechte Apps. Kriterium ist hier unter anderem, dass die Apps nur die nötigsten Berechtigungen einfordern und die Privatsphäre schützen. Über die Datensicherheit bei Spiele-Apps berichtet www.app-geprueft.net. Besitzen Kinder bereits eigene Geräte, ist es wichtig, den App-Store möglichst sicher einzurichten: Eltern können Downloads mit einem Passwort sperren oder nur Apps für bestimmte Altersgruppen anzeigen lassen. Wie Smartphone und Co. sicher eingerichtet werden können, erklärt SCHAU HIN! unter http://www.schau-hin.info/informieren/medien/surfen.

Quelle:
„Schau hin! Was Dein Kind mit Medien macht.“
Das ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der beiden öffentlich-rechtlichen Sender Das Erste und ZDF sowie der Programmzeitschrift TV SPIELFILM. Der Medienratgeber für Familien unterstützt seit 2003 Eltern und Erziehende dabei, ihre Kinder im Umgang mit Medien zu stärken.

Fieberkrämpfe

Fieberkrampf: Was ist das?

Fieberkrämpfe sind eine besondere Reaktion des Nervensystems, die vor allem dann auftreten kann, wenn das Fieber schnell ansteigt oder fällt. Das Kind verdreht die Augen, die Gliedmaßen werden erst steif und beginnen dann möglicherweise zu zucken, der Bereich um die Lippen ist blau gefärbt, und das Kind verliert für kurze Zeit das Bewusstsein. Ein solcher Krampfanfall kann einige Minuten dauern. Danach erholt sich das Kind rasch, ist aber meist müde und kann sich an den Krampf nicht erinnern.

3 bis 5% der Kinder

Solche Fieberkrämpfe sind eher selten und betreffen etwa drei bis fünf Prozent der Kinder, meist im Alter zwischen sechs Monaten und fünf Jahren. In den allermeisten Fällen geht ein Fieberkrampf nach drei bis vier Minuten wieder von selbst vorüber. Fieberkrämpfe bleiben normalerweise ohne gesundheitliche Folgen für das Kind und sind aus medizinischer Sicht eher harmlos. Kinder mit Fieberkrämpfen sind in der Regel normal entwickelt und gesund und leiden auch nicht unter einer Erkrankung des Gehirns. In manchen Familien treten Fieberkrämpfe auch gehäuft auf.

Beim Fieberkrampf Ruhe bewahren

Auf Eltern wirkt es verständlicherweise sehr schlimm und bedrohlich, wenn ihr Kind einen Fieberkrampf erleidet – vor allem, wenn sie ihr Kind erstmals so erleben. So ist es denn auch leichter gesagt als getan, als Eltern möglichst Ruhe zu bewahren. Dennoch sollten Sie genau dies im Falle eines Fieberkrampfes versuchen.

  • Bleiben Sie beim Kind und versuchen Sie es zu beruhigen.
  • Lagern Sie das Kind möglichst aufrecht und lockern Sie eventuell seine Kleidung, damit es gut Luft bekommt.
  • Achten Sie darauf, dass sich das Kind während des Krampfes nicht verletzt – auch nicht durch zu starkes Festhalten –, und polstern Sie harte Gegenstände in der Nähe durch Decken oder Kissen ab.
  • Falls es erbricht, bringen Sie es in die Seitenlage, damit das Erbrochene nicht in die Lunge gelangt.
  • Keinesfalls darf das Kind geschüttelt werden, da es sich hierbei gefährliche Verletzungen zuziehen könnte.
  • Geben Sie Ihrem Kind auf keinen Fall etwas zu trinken oder zu essen (Erstickungsgefahr).
  • Versuchen Sie zu kontrollieren, wie lange der Anfall dauert.
  • Gleichzeitig sollte möglichst rasch ein Arzt oder eine Ärztin über den Notruf verständigt werden.

Nach einem Fieberkrampf sollte die Körpertemperatur gemessen und durch fiebersenkende Maßnahmen verringert werden.

Dringend zum Kinderarzt

Wenn Ihr Kind einen Fieberkrampf hatte, sollte es danach unbedingt kinderärztlich untersucht werden, um schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen. Ihr Kinderarzt oder Ihre Kinderärztin wird Ihnen dann gegebenenfalls ein „Notfallmedikament“ verordnen und Ihnen seine Dosierung und Anwendung erläutern, falls ein Fieberkrampf wiederholt auftritt und länger als einige Minuten anhält.

In seltenen Fällen kann ein Fieberkrampf länger als 15 Minuten dauern, oder es können sich noch andere Auffälligkeiten zeigen. Ein solcher „komplizierter Fieberkrampf“ muss durch Medikamente beendet werden.

Im Zweifelsfall sollten Sie immer den Notarzt verständigen!

Quelle:
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

 

Kinderwagen-Kauf

Welcher Wagen passt zu mir

Das Angebot ist groß und dadurch manchmal auch verwirrend – wir geben eine kleine Orientierungshilfe.

Es gibt sportliche Familien, die direkt aktiv mit dem Baby werden wollen. Andere bevorzugen den Ausflug in den Wald und wieder andere möchten Menschen sehen, die Stadt mit ihrem Baby erkunden. Für sie alle gibt es unterschiedliche Kinderwagentypen.

Die Einsatzbereiche

Neben allen anderen Funktionen ist eine für die meisten Mütter die wichtigste: Das einfache Einkaufen gehen mit Kinderwagen. Nun kommt es darauf an, dass der Wagen nicht nur kompakt, sondern auch wendig ist und schwenkbare Vorderräder hat, so dass die Mutter mit dem Wagen leicht zwischen den Regalreihen hindurch kommt. Kinderwagen in diesem Bereich sind meist auch wahre Stauwunder, hier können problemlos die Einkäufe eingepackt werden.

Die Handhabung

Wer mobil ist und viel mit dem Auto unterwegs ist, der sollte darauf achten, dass der Kinderwagen schnell zusammenklappbar ist und leicht. Manche Modelle werben damit, wie klein sie zusammengeklappt werden können, verschweigen jedoch, dass die komplizierte Auf- und Abbau-Technik verzweifeln lässt. Ein guter Kinderwagen zeigt sich in solchen Details: Ein Handgriff und er steht, bzw. er ist eingeklappt. Und wichtig: Vor dem Kauf prüfen, ob die Maße auch zur Kofferraumgröße des Autos passen.

Gelände- Kinderwagen

Viele Familien gehen mit ihren Kindern oft spazieren. Für die Natur und das Gelände ist allerdings ein Kinderwagen erforderlich, der das Kind gut vor Wind und Wetter schützt und robust ist. Auch eine gute Bereifung ist wichtig, so dass der Wagen Waldwegen, steinigen Wegen und Asphaltstraßen standhält. Kleine Räder sind in diesem Fall nicht zu empfehlen, besser sind große Reifen, diese sorgen für die notwendige Stabilität.

Kinderwagen als Sportwagen

Gerade für Sportler, besonders für Jogger, sind die Räder des Kinderwagens wichtig. Außerdem sollte er leicht zu lenken sein, da die erhöhte Geschwindigkeit eine schnelle Reaktion erfordert. Zudem kann mit wenig Kraftaufwand sehr schnell eine andere Richtung eingeschlagen werden. Achten Sie beim Kauf auf eine gut eingestellte Lenkachse. So wird das Kind optimal gegen Zusammenstöße oder Stolperer im Lauftempo geschützt. Wer häufig auf unbefestigten Wald- und Feldwegen joggt, sollte gut gefederten Kinderwagen mit größeren Rädern den Vorzug geben.

Weitere Tipps für den Kinderwagenkauf

Der ADAC hat ein paar Tipps zusammengestellt, die jedes Elternpaar beim Kauf beachten sollte:

Wer schiebt (meistens)?

Für große Menschen – ist der Schieber hoch genug, ohne dass man sich herunterbeugen muss? _ Ist ein verstellbarer, ggf. schwenkbarer Schiebegriff vorhanden?

Räder: wald- und feldwegtauglich, auch bei schlechtem Wetter?

Schwenkräder = gut im Einkaufszentrum oder besser große Luftkammerreifen = gut auf Kopfsteinpflaster und Feldwegen _ Größe und Flexibilität: Muss der Kinderwagen in Bus oder Bahn?

Gewicht: Muss der Kinderwagen viel getragen werden, z.B. in den Keller, weil man das teure Gefährt nicht im Hausflur stehen lassen kann?

Packmaß: Muss der Kinderwagen in den Kofferraum passen?

Wie lange kann man den Kinderwagen nutzen, gibt es eine Umbaumöglichkeit zum Sportwagen/Buggy? _ Transportmöglichkeiten: wird ein großes Gepäcknetz benötigt?

Soll der Kinderwagen beim nächsten Kind weiter verwendet werden? Wie hoch ist der Wiederverkaufswert (Tipp: ebay -> „beendete Angebote“ prüfen)?

Haltbarkeit, Service (Ersatzteile), Qualität?

Der Autokindersitz: In viele Gestelle passen auch Auto-Babyschalen. Daher sollte man sich im Vorfeld beraten lassen, weil das nicht immer der Fall ist. Viele Hersteller bieten in diesem Bereich auch spezielle Adapter an

Die Kraft introvertierter Kinder - Still und Stark

Die großen Vorteile stiller Kinder

Die Autorin und erfolgreiche Wirtschaftsanwältin Susan Cain hat ein Buch über zurückhaltende Kinder und Erwachsene geschrieben. Ihre Forderung: „Wir brauchen die Nachdenklichen mehr denn je.“ Sie will nicht die Schüchternen zu Extrovertierten machen. Im Interview erklärt sie warum.

Ihr Buch trägt den Titel „Still. Die Kraft der Introvertierten“. Sie beschreiben umfassend und kritisch die Situation von Introvertierten in unserer heutigen Welt. Neueste Ergebnisse der Hirnforschung beziehen Sie dabei ebenso ein wie historische Beispiele. Aus den Erkenntnissen leiten Sie konkrete Anregungen für alle sozialen Bereiche ab, von der Organisation des Berufslebens und den Bildungseinrichtungen für Kinder bis hin zur Konfliktlösung in der Partnerschaft.

Wie kamen Sie auf die Idee, das Buch „Still und Stark“ über Introvertierte zu schreiben. Warum lag Ihnen gerade dieses Thema besonders am Herzen?

Aus demselben Grund, aus dem Betty Friedan seinerzeit 1963 “The Feminine Mystique” veröffentlichte (auf Deutsch erschienen unter dem Titel: „Der Weiblichkeitswahn oder Die Mystifizierung der Frau“). Heute haben Introvertierte gegenüber Extrovertierten dieselbe Stellung wie seinerzeit Frauen gegenüber Männern – sie sind Bürger zweiter Klasse mit einem gewaltigen Potenzial ungenutzter Fähigkeiten. Unsere Schulen und Arbeitsplätze sind auf Extrovertierte zugeschnitten. Viele Introvertierte glauben, etwas stimme nicht mit ihnen und sie sollten versuchen, als Extrovertierte „durchzugehen“. Das ist eine gewaltige Verschwendung von Begabung, Energie und, letztendlich, Glück.

Extrovertierte Menschen gelten als aufgeschlossen, kontaktfreudig und flexibel, introvertierte hingegen als ungesellig, schweigsam und schüchtern. Bei genauerer Betrachtung entpuppen sich diese Vorstellungen jedoch als Klischees. Was sind für Sie die wichtigsten Merkmale einer introvertierten Persönlichkeit?

Eine introvertierte Persönlichkeit hat zahlreiche Vorzüge, von denen ich hier nur ein paar erwähnen möchte. Zunächst einmal lassen Studien darauf schließen, dass viele der kreativsten Menschen introvertiert sind. Introvertierte sind gründliche, nachdenkliche Menschen und können Einsamkeit in dem Maß ertragen, wie es für die meisten kreativen Arbeiten erforderlich ist. Außerdem widmen Introvertierte, entgegen der Meinung, sei seien antisozial, ihren engen Freunden und der Familie für gewöhnlich mehr Zeit als Extrovertierte. Sie gehen seltener fremd und lassen sich seltener scheiden. Wenn man nicht auf allen Hochzeiten tanzt, neigt man dazu, Beziehungen intensiver zu pflegen.
Es gibt aber auch Nachteile. Der größte ist vielleicht, dass sich Introvertierte in Gesellschaft schnell unbehaglich fühlen. Wie alle anderen auch möchten sie unter Leute kommen – die Menschen sind nun einmal soziale Wesen –, aber dadurch entsteht ein grundsätzlicher Konflikt zwischen dem Wunsch, anderen verbunden zu sein, und dem Bedürfnis nach Ruhe.

Gibt es Erkenntnisse darüber, wie viele Menschen insgesamt introvertiert und wie viele extrovertiert sind?

Die Studien kommen hier zu unterschiedlichen Ergebnissen, aber in einer der neuesten Untersuchungen wird der Anteil an Introvertierten unter den Amerikanern überraschenderweise auf mindesten 50% geschätzt. Da die USA unter Forschern als eines der extrovertiertesten Länder weltweit gelten, ist dieser Prozentsatz in vielen anderen Teilen der Erde sicherlich genauso hoch.

„Reden ist Silber. Schweigen ist Gold“, hieß es früher, heute hingegen gilt: „Wer nicht redet, wird nicht gehört“. Was führte zu dieser Veränderung?

Um die Wende zum 20. Jahrhundert setzte eine grundlegende Veränderung ein: Die Menschen zogen in Großstädte, begannen für große Firmen zu arbeiten und standen damit vor der Herausforderung, sich in einer anonymen und immer stärker auf Konkurrenz ausgerichteten Gesellschaft zu behaupten. Damals wandelte sich die bis dahin vorherrschende „Charakterkultur“ zu einer „Persönlichkeitskultur“, wie der Historiker Warren Susman es nannte. Diese unglaublich faszinierende Entwicklung erläutere ich ausführlich im ersten Kapitel von „Still“.

Warum werden die Eigenschaften introvertierter Menschen in der heutigen Zeit oft gering geschätzt?

Wie Sie schon andeuten, leben wir in einer Welt, die es schätzt, wenn Menschen sich „vermarkten“ können. Introvertierte passen nicht in diese Schublade, jedenfalls oberflächlich betrachtet nicht. (Allerdings verfügen viele Introvertierte über die Führungsqualität des unabhängigen Denkens und verstehen es auf ihre Weise, ihren Ideen Gehör zu verschaffen.)

Introvertierte, schreiben Sie in „Still“, erhielten bereits als Kinder die Rückmeldung, etwas stimme grundsätzlich nicht mit ihnen. Haben auch Sie diese Erfahrung gemacht?

Ich hatte das unglaublich große Glück, in einer ruhigen, gebildeten Familie aufzuwachsen. Unsere gemeinschaftliche Hauptbeschäftigung zu Hause war Lesen. Aber jedes Mal, wenn ich das Haus verließ, empfing ich diese Botschaft laut und deutlich. Ich erinnere mich an den ersten Tag im Sommercamp, als sich alle Kinder zum ersten Mal trafen. Wie sehr sehnte ich mich danach, mich abzusetzen und die Bücher zu lesen, die ich in meinem Koffer weggepackt hatte. Irgendwoher wusste ich aber, dass ich riskieren würde, ausgegrenzt zu werden, wenn ich in einem Augenblick las, in dem Geselligkeit von mir erwartet wurde. Ein Mädchen aus meiner Gruppe entfernte sich tatsächlich um zu lesen und musste den Rest des Sommers dafür zahlen.

Gab es Schlüsselerlebnisse auf Ihrem Weg zu einem selbstbewussten Umgang mit Ihrer introvertierten Persönlichkeit?

Ich habe fast zehn Jahre lang als Anwältin für Körperschaftsrecht gearbeitet. Am Anfang ging ich davon aus, dass ich als ruhiger Mensch mit einer sanften Stimme enorme Nachteile haben würde, vor allem bei Verhandlungen. Zwar habe ich nie mit der Faust auf den Tisch geschlagen, aber ich habe schon bald gelernt, meine Art für mich zu nutzen. Menschen, die bestimmt, aber freundlich sprechen, die Fragen stellen und zuhören und die lieber konstruktiv als kämpferisch an etwas herangehen, werden von jedem geschätzt, sogar in juristischen Auseinandersetzungen. In „Still“ beschreibe ich eine Erfahrung am Verhandlungstisch, die mein Leben verändert hat.

Heute werden an Eliteuniversitäten und bei der Besetzung wichtiger Führungspositionen häufig extrovertiert wirkende Persönlichkeiten bevorzugt. Gibt es überhaupt einen Zusammenhang zwischen Effizienz, Erfolg und extrovertiertem Führungsstil, der diese Auswahl begründet?

Es ist erwiesen, dass Extrovertierte mit größerer Wahrscheinlichkeit auf einen Posten als Führungskraft vorbereitet werden als Introvertierte, und aus einigen Studien geht ein geringfügiger Zusammenhang zwischen Extroversion und Führungstalent hervor. Allerdings belegt eine bahnbrechende neue Studie, dass Introvertierte dann als Führungskräfte überlegen sind, wenn ihre Mitarbeiter Eigeninitiative zeigen. Das liegt daran, dass Introvertierte eher als Extrovertierte die Vorschläge der tatkräftigen Belegschaft übernehmen und aus jedem Einzelnen das Beste herausholen, statt den Dingen ihren eigenen Stempel aufdrücken zu wollen.

Studien zeigen, dass introvertierte und extrovertierte Menschen in etwa gleich viele gute Ideen haben, doch wenn es darum geht, Ideen zu präsentieren und zu realisieren, setzen sich meist die Extrovertierten durch. Welche Konsequenzen hat das – für die Menschen, die ihre Ideen einbringen, aber auch für die ganze Gesellschaft?

Das ist in der Tat ein gewaltiges Problem, auf das ich in “Still” ausführlich eingehe. Studien zeigen genau, was Sie sagen: Gruppen neigen dazu, die Vorschläge der gesprächigsten oder energischsten Leute zu übernehmen, sogar dann wenn sich die Ideen dieser Leute als nicht besser (bisweilen auch als schlechter) erwiesen haben als die jeder anderen Person. In Anbetracht der Tatsache, dass viele wichtige Entscheidungen in Gruppenprozessen getroffen werden, ist das ein sehr ernstzunehmendes Problem. Man muss die Organisationen darin ausbilden, ihre Entscheidungen anders zu treffen. Dafür brauchen wir Methoden, die gewährleisten, dass alle Ideen gleichberechtigt gewertet werden unabhängig davon, wie sie präsentiert werden.

Introvertierte bevorzugen es, allein an der Lösung einer Aufgabe zu arbeiten. Worin liegt die Kraft des selbständigen Arbeitens?

Vierzig Jahre Forschung über Brainstorming belegen, dass Einzelne mehr und bessere Ideen hervorbringen als Gruppen. Menschen in Gruppen denken nicht so klar, weil sie sich immer auf das konzentrieren, was andere von ihnen halten könnten, statt ihre wertvolle Geisteskraft auf die vorliegende Aufgabe zu lenken.

Jerry Kagan, einer der großen Entwicklungspsychologen des 20. Jahrhunderts, konnte anhand einer Reihe bahnbrechender Langzeitstudien nachweisen, dass sich bereits bei Säuglingen im Alter von vier Monaten vorhersagen lässt, welche sich später eher zu introvertierten und welche eher zu extrovertierten Menschen entwickeln werden. Ist unser Temperament Schicksal?

Ja und nein. Menschen wachsen heran und verändern sich mit der Zeit. Wie Kagan sagt, entwickeln sich viele Kinder mit sensiblem Naturell erst zu schüchternen Kindern und später zu geselligen, selbstsicheren Teenagern. Aber diese Veränderung spielt sich meist innerhalb eines bestimmten Rahmens ab. Solche Kinder verwandeln sich nicht in die Bill Clintons dieser Welt. Und das ist auch gut so. Denn wir brauchen dringend beide, Introvertierte und Extrovertierte.

Wie können Introvertierte in einer Welt bestehen, in der Selbstdarstellung großgeschrieben und ein Hype um „charismatische“ Persönlichkeiten veranstaltet wird? Sollten sie sich anpassen und ein forsches Auftreten antrainieren oder lieber Existenznischen suchen?

Ich glaube, alle Introvertierten sollten sich eine extrovertierte Rolle zurechtlegen, in die sie schlüpfen können, wenn das erforderlich ist. Aber langfristig sollten sie versuchen, ihr Arbeitsumfeld und Sozialleben so zu gestalten, dass es zu ihrem Naturell passt. Dasselbe gilt auch für Extrovertierte. Sie sollten lernen, umsichtiger zu sein und erst einmal zu überlegen, bevor sie sprechen, und so weiter. Aber grundsätzlich sollten sie sich ein Umfeld suchen, in dem sie rasch und nach außen orientiert handeln und reden können.

„In der Ruhe liegt die Kraft“: Können Sie uns Beispiele prominenter Menschen nennen, die die Welt bewegt und Herausragendes geschaffen haben, obwohl oder gerade weil sie Introvertierte sind?

Es gibt so viele! Ein paar, die mir gerade einfallen sind Charles Darwin, Eleanor Roosevelt, Mahatma Gandhi und Al Gore. In „Still“ erläutere ich, wie diesen Schlüsselfiguren ihre Introversion zugutegekommen ist.

Sie prophezeien, dass sich in den kommenden Jahrzehnten der Stellenwert introvertierter Menschen in der Gesellschaft von Grund auf verändern wird. Was lässt Sie so sicher sein?

Wie Mitte des 20. Jahrhunderts die Frauen, werden sich jetzt die Introvertierten ihrer selbst bewusst und treten damit nach außen. Es gibt eine wachsende Bewegung und ein zunehmendes Selbstbewusstsein, und gerade werden Studien bekannt wie die bereits erwähnte über die Vorzüge eines introvertierten Führungsstils. „Still“ ist eines der ersten Bücher zu diesem Thema, aber es wird nicht das letzte sein.

Das Interview führte Elke Kreil

Quelle: Goldmann Verlag

Buch:

Susan Cain: Still und Stark
304 Seiten
€ 15,00 [D] / € 15,50 [A] / CHF 13,50 (UVP)
ISBN: 978-3-442-15928-4
Erscheinungstermin: 18. September 2017

didymos Tragetücher

Vorteile der Tragetücher

Babys zu tragen, ist die einfachste Lösung, um Ihrem Kind Liebe und Geborgenheit zu geben. Das Baby fühlt sich sicher, wenn es ganz nah an Mamas oder Papas Körper ist. Ein Tuch als Tragehilfe schafft in Ihrer Familie Vertrauen und festigt die Bindung, Ihre Wärme und Bewegung erhöhen den Wohlfühlfaktor bei Ihrem Baby, wenn Sie es tragen. Ein getragenes Kind ist ausgeglichener, denn in einem Babytragetuch kann der oder die Kleine aus einer geschützten Position am Familienalltag teilnehmen. Sie helfen dem Baby, immer eine optimale Haltung einnehmen: die Beinchen sind leicht gespreizt, der Rücken bleibt dabei rund. Dies war auch während der Schwangerschaft die Haltung des Babys.

Hände frei dank Tragehilfe

Ein Babytragetuch ist nicht nur für Ihr Kind gut. Auch für Sie ist das Tragen praktisch. Denn Sie haben beide Hände frei für Geschwister oder können sich um den Haushalt kümmern. Wenn Sie eine Tragehilfe nutzen, sind auch Treppen, öffentliche Verkehrsmittel oder Ausflüge keine Hindernisse mehr. Sie haben die Hände frei, um mit Ihrem Baby gemeinsam die Welt zu entdecken.

Langjährige Erfahrung

Auf den Seiten von Didymos, einem Unternehmen, das seit 40 Jahren Tragetücher herstellt und deren Produkte von Hebammen und Experten empfohlen werden, erhalten Sie viele Informationen rund um das Thema. Denn es gibt Gründe, warum Ihr Kind von Natur aus getragen werden möchte. Auf den Seiten erfahren Sie auch, welche Körperhaltung die gesündeste ist und welche Möglichkeiten ein Babytragetuch bietet.

www.didymos.de

Frühgeborene - Kleine Helden

Frühgeborenen-Kampagne

Eine umfassende, bedarfsgerechte Begleitung und psychosoziale Beratung der Eltern rund um die Geburt des Kindes unterstützen das Selbstwertgefühl der Eltern und stehen letztlich für eine optimale Entwicklung der Frühgeborenen. „Dabei gilt es Eltern und Kind vom Zeitpunkt der Schwangerschaft bis zur Überleitung und ressourcenorientierten Nachsorge in den eigenen vier Wänden an die Hand zu nehmen“, betont Barbara Grieb, die Vorsitzende des Bundesverbandes „Das frühgeborene Kind“ e.V. / Programm Kleine Helden.

Optimaler Start

Die neue Kampagne „Kleine Helden – große Helfer“ greift den Netzwerkgedanken im Rahmen der Frühgeborenenversorgung auf und macht ihn zu einer der sechs elementaren Kernbotschaften. „Wir wollen sichtbar machen, was möglich ist, um den kleinsten Patienten einen optimalen Start ins Leben zu ermöglichen.“ Der Bundesverband wird in diesem Zusammenhang deutschlandweit von zahlreichen medizinischen Einrichtungen unterstützt! „Alle haben die Möglichkeit zu veranschaulichen, wie sie im besten Sinne der Frühgeborenen arbeiten“, so Grieb. Neben Schwerpunktthemen Familie, Muttermilch, Patientensicherheit, Qualifikation und ‚Zuhause auf Zeit‘, wird auch die Bedeutung eines entsprechenden Netzwerks in der Frühgeborenenversorgung betrachtet.

„Seite an Seite mit den Eltern“

Ärzte, Pflegepersonal, Elternberater, Eltern und der kleine Patient – Seite an Seite! „Beste Betreuung bedeutet, Eltern in ihrer neuen Rolle zu unterstützen und als Partner in der Versorgung ihrer Kinder anzuerkennen – und zwar vom Bauch bis ins Kinderzimmer. Dies kann nur gelingen, wenn alle an einem Strang ziehen!“, macht die Bundesverbandsvorsitzende deutlich.

So brauchen Eltern von Frühgeborenen unter anderem den Austausch mit gleichgesinnten Familien. In Bielefeld bringt sich bereits seit dem Jahr 2013 der Verein „Frühlinge OWL“ intensiv in die optimale Entwicklung von Frühgeborenen ein, in dem er beispielsweise kostenlose Spielgruppe für Familien anbietet. „Ob spielen, entdecken, bewegen, erleben, singen, basteln und werken – unser Angebot ist völlig frei von therapeutischen Motiven und wertenden Blicken. Auch deswegen wird es von immer mehr Familien dankend angenommen“, weiß Vorstandsmitglied Astrid Laumann. Während sich die Kinder austoben können, bietet die Spielgruppe den Eltern Raum für den gegenseitigen Erfahrungsaustausch. „Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass sich Frühchen-Eltern in den üblichen Spielgruppen leicht fehl am Platz fühlen. Man hat schlicht andere Gesprächsthemen, Sorgen, Ängste und Fragestellungen“, so Laumann weiter.

Das Uniklinikum Essen setzt im Bereich der familienzentrierten Betreuung auf das umfangreiche Elternberatungskonzept „Frühstart“ und schafft damit beste Voraussetzungen für die Entwicklung des Kindes über den Klinikaufenthalt hinaus. „Die Besonderheit unserer Elternberatung liegt dabei in der Kontinuität der Betreuung durch dasselbe Team von der Risikoschwangerschaft bis in das häusliche Kinderzimmer“, erklärt Neonatologin Prof. Dr. Ursula Felderhoff-Müser. Zur weiteren Unterstützung der Familien wurde auch die kostenlose
„Frühstart-App“ für das erste Lebensjahr entwickelt.

Kleine Helden

Natürlich sind sämtliche Einrichtungen, die auf dem Gebiet der Frühgeborenenversorgung aktiv sind, eingeladen, die Kampagne „Kleine Helden – große Helfer“ weiter zu verbreiten und mit Einblicken in ihre Arbeit zu bereichern. „Wir freuen uns über weitere Beiträge, die deutlich machen, wie vielfältig Unterstützungs- und Hilfsangebote aussehen können“, erläutert die Bundesverbandsvorsitzende Barbara Grieb. Über insgesamt ein halbes Jahr hinweg wird monatlich eine Kernbotschaft herausgearbeitet und umfassend beleuchtet – im August ist es eben der Netzwerkgedanke, unter dem Titel „Wir setzen auf vernetzen“. Pünktlich zum Weltfrühgeborenentag im November (17.11.) mündet die Kampagne schließlich in die interdisziplinär ausgerichtete Vortrags- und Diskussionsveranstaltung Forum – „Das frühgeborene Kind 2017“ mit dem gleichnamigen Titel „Kleine Helden – große Helfer“. Das Forum wird anlässlich der Eröffnung des neuen Eltern-Baby-und Familienzentrums an der Kinderklinik Dritter Orden in Passau stattfinden.

Prominente Unterstützung

Neben Skilangläuferin und Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle erfährt die Kampagne „Kleine Helden – große Helfer“ auch prominente Unterstützung durch den Erfolgsautor Sebastian Fitzek. „Als betroffene Eltern eines frühgeborenen Kindes wissen meine Frau und ich aus erster Hand, wie wichtig die liebevolle und professionelle Unterstützung ist, die das Netzwerk des Verbandes einem ermöglicht“, so Fitzek, der die Kampagne gerne und tatkräftig unterstützt.

Nähere Informationen zu seinem Engagement und der Kampagne im Allgemeinen finden Sie unter: www.kleine-helden.org.

Die Kampagne „Kleine Helden – große Helfer“ wurde vom Bundesverband „Das frühgeborene Kind“ e.V. in Kooperation mit der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin (GPNI) und der Süddeutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. initiiert. Unterstützt wird die Kampagne dabei von Medela Deutschland und der Kinderklinik Dritter Orden Passau. Weitere Förderer sind das Hessische Ministerium für Soziales und Integration, sowie die AbbVie Deutschland GmbH, die Chiesi GmbH und die Milupa Nutricia GmbH.

Wenn es nicht auf Anheib klappt

Gelassener zum Ziel

Die Natur rechnet nicht mit perfekten Eltern.

Viele Eltern schlagen sich heute mit großen Sorgen um den Nachwuchs herum. Die Angst, bei Erziehung und Betreuung etwas falsch zu machen und damit seinem Kind die Chancen zu verbauen, greift immer mehr um sich. Experten raten zu mehr Gelassenheit

Früher, da kamen die Kinder von selbst, gehörten einfach dazu, liefen mit. Heute fällt die Entscheidung für ein Baby dagegen meist sehr bewusst, dank verbesserter Verhütungsmethoden, insbesondere der Antibabypille. Kinder zu haben ist mittlerweile eine Option unter vielen. Und wer sich für ein Kind entscheidet, hat die Konsequenzen dafür allein zu tragen – so jedenfalls empfinden es laut einer Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung zum Thema „Eltern unter Druck“ viele Mütter und Väter.

Wandel der Gesellschaft

Unsere Gesellschaft hat sich verändert, Familienstrukturen werden zunehmend auseinandergerissen, die Arbeitswelt verlangt Flexibilität, sowohl zeitlich als auch örtlich. Wer da mithalten will, hat es schwer, Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen. Viele junge Eltern leben heute nicht mehr am selben Ort wie ihre eigenen Eltern. Kommt ein Baby, fehlt dann die eigene Mutter, die sagt: „Du machst das schon“ oder die mit praktischem Rat zur Seite steht. Das wird schon! Das wächst sich raus! Beruhigende Sätze, die viele junge Eltern nicht mehr zu hören bekommen.

Erziehung: Ratgeber im Überfluss

Im Gegenteil: Von immer mehr Problemen und Vorsichtsmaßnahmen ist die Rede. Eltern, die sich allein gelassen fühlen, greifen zur explosionsartig gewachsenen Ratgeberliteratur. Wie erziehe ich mein Baby richtig? Womit verhindere ich Allergien? Wie kann mein Kind schlafen lernen? Die Horrorvision von Kindern als Tyrannen lässt manchen zu einer Verhaltensweise übergehen, die er nicht aus eigener Überzeugung heraus anwendet, sondern einem der zahlreichen Elternratgeber entnommen hat: Das Baby meldet sich, die Mutter will es beruhigen – eine ganz normale Reaktion. Doch gleich die Angst: Verwöhne ich mein Kind etwa? Wird es mir immer auf der Nase herumtanzen und nie durchschlafen lernen? Und die Mutter wartet erst mal einige Minuten ab, weil das schließlich so im Schlaflernbuch steht. Bis das Kind dann so richtig schreit und die Verbindung von Mutter und Kind einen ersten kleinen Knacks bekommt.

Eine gute Bindung

Für einen erfolgreichen Lebensweg, das haben Langzeitstudien herausgefunden, ist die gute Bindung zwischen Eltern und Kind ausschlaggebend. Nicht, ob ein Kind als Baby zum Schwimmen oder in den Musikgarten gegangen ist. Dabei wollen die meisten Eltern eigentlich nur das Beste für ihre Kinder, sie möglichst gut auf die Zukunft vorbereiten. Doch führen die Informationsflut aus den Medien und die veränderten gesellschaftlichen Ansprüche häufig zu einer verkrampften Erziehung. „Dabei“, so Professor Manfred Cierpka, Familientherapeut vom Institut für Psychosomatische Kooperationsforschung am Universitätsklinikum Heidelberg, „haben alle Eltern so genannte elterliche intuitive Kompetenzen.“

Der Intuition vertrauen

Überall auf der Welt sprechen Eltern zum Beispiel in der Ammensprache mit ihren Babys, also mit höherer Stimmlage, weil Säuglinge genau diese Tonhöhe am angenehmsten empfinden. Auch halten frisch gebackene Mütter und Väter ihre Babys in der Regel automatisch mit einem Abstand von etwa 25 Zentimetern vor sich – in dieser Entfernung können die Säuglinge am meisten erkennen. Das also machen die meisten Eltern intuitiv richtig. Dennoch sind sehr viele von ihnen verunsichert, wie Familientherapeut Manfred Cierpka aus seiner Praxis-Erfahrung bestätigt.

Individualität

Wie nun aber können Mütter und Väter ihren Erziehungsfähigkeiten wieder mehr trauen? Eltern sollten auf die Bedürfnisse des Kindes achten. Denn Babys geben ganz klare Signale aus. Wenn sie müde sind, wenn sie Hunger haben, wenn sie Zuneigung brauchen. Manfred Cierpka rät: „Schauen Sie Ihr Kind an. Versuchen Sie, das zu beantworten, was es braucht.“ Kinder sind schließlich individuell. Wenn in einem Ratgeber steht, dass Kinder feste Schlafstrukturen brauchen, muss das nicht auf jeden Säugling zutreffen. Der eine schläft oft und kurz, der andere regelmäßig und lang, der dritte vielleicht nach einem Jahr immer noch nicht durch. Das eine Baby isst gut und gern, was auch immer ihm seine Eltern anbieten, ein anderes braucht Wochen und Monate, um auf feste Nahrung umzusteigen.

Gelassenheit

Ein Kind in ein Schema pressen zu wollen, das nicht passt, kann für Eltern wie Baby gleichermaßen große Frustrationen mit sich bringen – die eigentlich nicht nötig wären. Mehr Gelassenheit, dafür plädiert auch der Schweizer Kinderarzt Remo Largo in seinem Standard-Erziehungsratgeber „Babyjahre“: „Die Natur rechnet nicht mit perfekten Eltern. Sie hat die Kinder mit einer gewissen Anpassungsfähigkeit und Krisenfestigkeit ausgestattet.“