Category : Gesundheit

Pregnant woman suffering with headache and nausea

Trotz Depressionen Schwanger

Diese Studie gab Entwarnung für Frauen, die unter Depressionen leiden und einen Kinderwunsch haben: eine Depression der Frau allein muss kein Hinderungsgrund für eine Schwangerschaft und Lebendgeburt sein. Allerdings deutet die Studie an, dass die Behandlung der Depressionen durchaus ein kritischer Punkt sein kann – hier empfiehlt es sich, bei dem Arzt, der die Depressionen behandelt, deutlich den Kinderwunsch anzusprechen. Die Medikamentenwahl sollte diesem Wunsch natürlich gerecht werden. Auch Gynäkologen geben sicher gern ihre Einschätzung dazu ab.

Wie aber kann eine Depression des Mannes hinderlich beim Kinderwunsch sein? Auch hier könnte die Behandlung der Depressionen kritisch sein – auch der Mann sollte also bei Kinderwunsch dieses Thema beim behandelnden Arzt ansprechen. Allerdings kann die Studie nicht eindeutig klären, ob die Depressionen dem bisher unerfüllten Kinderwunsch voraus gingen oder doch eventuell eine Folge der Unfruchtbarkeit sind. In beiden Fällen sollte man also auch den männlichen Partner eines Paares mit Kinderwunsch nicht vergessen – Depressionen des Mannes gehören natürlich ebenso bestmöglich behandelt und zwar nicht nur, um ein gemeinsames Baby bekommen zu können.

Wie wirken sich Depressionen auf die Erfüllung eines Kinderwunsches aus? Frauen mit Endometriose leiden auch häufiger unter Unfruchtbarkeit – tatsächlich kommt es oft im Rahmen einer Fruchtbarkeitsbehandlung zur Diagnose Endometriose oder auch PCO-Syndrom (polyzystisches Ovarialsyndrom), die beide die Schwierigkeiten, schwanger zu werden, erklären können. Auch Depressionen treten als Begleiterkrankung von Endometriose und PCO-Syndrom häufig auf. Eine aktuelle Studie untersuchte nun, ob Depressionen bei Frauen, die Behandlung mit Antidepressiva oder aber eventuell auch eine Depression beim Mann mit größeren Fruchtbarkeitsproblemen einhergehen.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Unfruchtbarkeit und Depressionen?

Dies wurde von Gynäkologin Prof. Evans-Hoeker und Kollegen einer US-amerikanischen Fruchtbarkeitsklinik bei Patienten untersucht, die an einer von zwei Studien teilnahmen. In einer Studie wurden medikamentöse Behandlungen für das PCO-Syndrom untersucht (Clomiphencitrat versus Letrozol), in einer anderen wurden ähnliche Medikamente bei unerklärter Unfruchtbarkeit getestet (Gonadotropin versus Clomiphencitrat versus Letrozol). Die teilnehmenden Paare füllten jeweils einen Fragebogen zur Patientengesundheit (PHQ-9) aus. Ein Ergebnis in dieser Befragung von mehr als 10 Punkten wurde als Zeichen einer derzeitigen depressiven Erkrankung gedeutet. Zusätzlich wurde erfasst, welche Medikamente die Frauen aktuell einnahmen.

Die zentrale Frage der Studie war, ob die Paare ein Baby bekamen, also ob eine Lebendgeburt erfolgte. Auch die Häufigkeit von Schwangerschaften sowie von Fehlgeburten im ersten Drittel der Schwangerschaft wurde ermittelt, um eine den Einflusses von Depressionen auf die Fruchtbarkeit abschätzen zu können. Die Forscher analysierten die Ergebnisse unter Berücksichtigung von Alter, Herkunft, Einkommen, Raucherstatus und Behandlungsgruppe (PCO-Patientinnen oder unerklärte Unfruchtbarkeit), aber auch danach, wie lange die Paare bereits versucht hatten, ein Kind zu bekommen.

Zahl der Schwangerschaften, Fehlgeburten und Lebendgeburten bei PCO-Syndrom oder Fruchtbarkeitsbehandlung mit und ohne Begleiterkrankung Depression

In die Analyse konnten die Daten von 1650 Frauen und 1608 Männern aufgenommen werden. Dabei zeigte sich, dass aktuelle Depressionen der Frauen (wenn keine Antidepressiva genommen wurden) keinen Einfluss auf die Fruchtbarkeit zu haben schienen. Frauen mit Depressionen wurden also ähnlich häufig schwanger (sogar geringfügig häufiger) oder bekamen Babies wie Frauen ohne Depressionen. Eine medikamentöse antidepressive Behandlung (Daten von 90 Frauen) führte allerdings häufiger zu Fehlgeburten, als dies bei Frauen ohne Antidepressiva der Fall war. Auch bei Depressionen der Männer kam es in dieser Studie seltener zu einer Schwangerschaft.

Depressive Frauen werden nicht seltener schwanger, Depressionen der Männer stehen Schwangerschaften eher im Weg

Damit gibt es Entwarnung: eine Depression der Frau allein muss kein Hinderungsgrund für eine Schwangerschaft und Lebendgeburt sein. Allerdings deutet die Studie an, dass die Behandlung der Depressionen durchaus ein kritischer Punkt sein kann – hier empfiehlt es sich, bei dem Arzt, der die Depressionen behandelt, deutlich den Kinderwunsch anzusprechen. Die Medikamentenwahl sollte diesem Wunsch natürlich gerecht werden. Auch Gynäkologen geben sicher gern ihre Einschätzung dazu ab. Wie aber kann eine Depression des Mannes hinderlich beim Kinderwunsch sein? Auch hier könnte die Behandlung der Depressionen kritisch sein – auch der Mann sollte also dieses Thema beim behandelnden Arzt ansprechen.

Allerdings kann die Studie nicht eindeutig klären, ob die Depressionen dem bisher unerfüllten Kinderwunsch voraus gingen oder doch eventuell eine Folge der Unfruchtbarkeit sind. In beiden Fällen sollte man also auch den männlichen Partner eines Paares mit Kinderwunsch nicht vergessen – Depressionen des Mannes gehören natürlich ebenso bestmöglich behandelt und zwar nicht nur, um ein gemeinsames Baby bekommen zu können.

Quelle:
DeutschesGesundheitsPortal.de

Referenzen:

Evans-Hoeker EA, Eisenberg E, Diamond MP, et al. Major depression, antidepressant use, and male and female fertility. Fertil Steril. 2018;109(5):879-887. doi:10.1016/j.fertnstert.2018.01.029.

 

Kuhmilch bei Diabetes-Typ-1

Kuhmilch für Kinder mit Typ-1-Diabetes-Risiko?

Um Kinder mit hohem familiären Krankheitsrisiko vor Typ-1-Diabetes zu schützen, hilft es gemäß den Ergebnissen der vorliegenden Studie nicht, anstelle von Kuhmilch auf spezielle (stark hydrolysierte) Säuglingsnahrung zu wechseln. Kuhmilch gilt auch für Kinder mit Typ-1-Diabetes-Risiko als sicher. Somit müssen die bestehenden Empfehlungen nicht geändert werden. Weltweit forschen viele Wissenschaftler daran, wie man den Ausbruch einer Typ-1- Diabetserkrankung bei Kindern mit hohem Risiko für diese Krankheit verhindern kann.

Diabetesrisiko

Zur Diskussion steht, ob die Fütterung mit Kuhmilch und insbesondere die darin enthaltenen Proteine einen Einfluss auf das spätere Diabetesrisiko der Kinder haben. Dieser Forschungsfrage widmeten sich nun Wissenschaftler aus verschiedenen europäischen Ländern, den USA und Kanada. Kann spezielle Nahrung Kinder mit hohem Risiko vor Diabetes schützen? Sie untersuchten 2159 Säuglinge, die ein erhöhtes genetisches Risiko für Typ-1-Diabetes aufwiesen und von denen ein Verwandter ersten Grades (Eltern oder Geschwister) an Typ-1-Diabetes erkrankt war. Die Säuglinge wurden in 78 Studienzentren in insgesamt 15 Ländern in dem Zeitraum zwischen Mai 2002 und Januar 2007 rekrutiert und bis Februar 2017 nachbeobachtet. 1081 der Säuglinge erhielten stark hydrolysierte Säuglingsnahrung (Spezialnahrung, bei der die Proteine gespalten werden), die restlichen 1078 Kinder bekamen die übliche Säuglingsnahrung, in der Kuhmilch enthalten war.

Kein Schutz vor Diabetes durch spezielle Säuglingsnahrung

Von den 2159 Säuglingen beendeten 1744 (= 80 %) die Studie. Die Säuglinge wurden etwa 11,5 Jahre beobachtet. In der Gruppe mit der stark hydrolysierten Säuglingsnahrung erkrankten 8,4 % der Kinder an Typ-1-Diabetes im Gegensatz zu 7,6 % der Kinder, die die übliche Säuglingsnahrung erhielten. Damit unterschieden sich die beiden Gruppen nicht. Auch beim Erkrankungsalter bestanden keine wesentlichen Unterschiede. Dies lag bei den mit stark hydrolysierter Säuglingsnahrung ernährten Kinder bei 6,0 Jahren und bei den Säuglingen mit der üblichen Ernährung bei 5,8 Jahren. Infektionen der oberen Atemwege traten am häufigsten als Nebenwirkungen auf, dabei waren beide Gruppen ähnlich häufig betroffen. Säuglinge mit hohem Risiko für Typ-1-Diabetes erkrankten somit nicht weniger häufig an Typ-1- Diabetes, wenn sie anstelle der üblichen Säuglingsernährung auf eine stark hydrolysierte Säuglingsnahrung wechselten.

Damit können die aktuellen Ernährungsempfehlungen für Säuglinge mit hohem Typ-1-Diabetesrisiko bestehen bleiben.

Quelle:
© DeutschesGesundheitsPortal | HealthCom | www.deutschesgesundheitsportal.de  Original Titel: Effect of Hydrolyzed Infant Formula vs Conventional Formula on Risk of Type 1 Diabetes: The TRIGR Randomized Clinical Trial  Referenzen: Writing Group for the TRIGR Study Group, Knip M, Åkerblom HK, Al Taji E, Becker D, Bruining J, Castano L, Danne T, de Beaufort C, Dosch HM, Dupre J, Fraser WD, Howard N, Ilonen J, Konrad D, Kordonouri O, Krischer JP, Lawson ML, Ludvigsson J, Madacsy L, Mahon JL, Ormisson A, Palmer JP, Pozzilli P, Savilahti E, Serrano-Rios M, Songini M, Taback S, Vaarala O, White NH, Virtanen SM, Wasikowa R. Effect of Hydrolyzed Infant Formula vs Conventional Formula on Risk of Type 1 Diabetes: The TRIGR Randomized Clinical Trial. JAMA. 2018 Jan 2;319(1):38-48. doi: 10.1001/jama.2017.19826.  Quelle: Deutsches Gesundheits-Portal

Baby feeding with liquid medicine

Medikamente für Kinder: Stiefkinder der Medizin

Vor elf Jahren trat die europäische Kinderarzneimittelverordnung in Kraft. Die Hersteller von Medikamenten sind seither verpflichtet, neue Arzneimittel auch bei Kindern auf ihre Wirksamkeit und Unbedenklichkeit zu überprüfen. Doch auch heute noch müssen Kinder- und Jugendärzte viele Patienten mit Arzneimitteln behandeln, die nur an Erwachsenen getestet wurden und für die Altersgruppe der Kinder nicht zugelassen oder nicht geeignet sind. Auf diese fatale Situation macht die Stiftung Kindergesundheit in einer aktuellen Stellungnahme aufmerksam.

Stiefkinder der Medizin

„Kinder sind auch heute noch bei der Behandlung mit Medikamenten benachteiligt“, stellt Kinder- und Jugendarzt Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit fest. „Auf den ersten Blick hat die EU-Verordnung zwar erhebliche Fortschritte bewirkt, beim näheren Zusehen erweisen sich die Arzneimittel für Kinder immer noch als Stiefkinder der Medizin“.

Zunächst das Positive: Der Anteil an klinischen Arzneiprüfungen, an denen auch Kinder beteiligt waren, ist von 2007 bis 2016 von 8,25 Prozent auf 12,4 Prozent gestiegen. In diesem Zeitraum wurden mehr als 260 neue Arzneimittel auch zur Anwendung bei Kindern zugelassen. Darunter befanden sich neuartige Medikamente besonders für die Behandlung von Infektionskrankheiten und für rheumatologisch erkrankte Kinder.

Krebskranke Kinder besonders benachteiligt

Großen Nachholbedarf gibt es dagegen in der Behandlung krebskranker Kinder. Viele der im Kindesalter auftretenden Erkrankungen oder Tumorformen kommen bei Erwachsenen kaum oder gar nicht vor. Damit spielen sie für pharmazeutische Unternehmen nur eine sehr untergeordnete Rolle: Die Forschung und Entwicklung von Medikamenten orientiert sich weiterhin an Erwachsenen. In den vergangenen zehn Jahren sind lediglich ganze zwei Medikamente für die Behandlung krebskranker Kinder zugelassen worden.

„Viele Arzneimittel, die bei Kindern eingesetzt werden, sind nicht ausreichend an Kindern geprüft und deshalb auch nicht für Kinder zugelassen“, erläutert Professor Berthold Koletzko das nach wie vor bestehende Problem. „Speziell zur Behandlung sehr junger Kinder und von Kindern mit einer seltenen Erkrankung fehlen geprüfte Arzneimittel. Deshalb sind Kinder- und Jugendmediziner häufig darauf angewiesen, Arzneimittel, die eigentlich nur an Erwachsenen ausreichend geprüft wurden, auch bei Kindern anzuwenden“.

Die Anwendung eines Fertigarzneimittels außerhalb des durch die Arzneimittelbehörden zugelassenen Gebrauchs wird mit dem Fachausdruck: „off label use“ bezeichnet. Solche Verordnungen sind bei Erwachsenen nur in begründeten Ausnahmefällen möglich. Bei Kindern dagegen ist es der seit Jahrzehnten akzeptierte Normalzustand, beklagt die Stiftung Kindergesundheit.

90% der Medikalmente ohne Zulassung für Kinder

So kam die große Kindergesundheitsstudie KiGGS zu dem Ergebnis, dass rund 30 Prozent der von Kindern eingenommenen Medikamente „off-label“ eingesetzt wurden. Das geschieht umso häufiger, je jünger das Kind ist und je schwerer es erkrankt ist. Repräsentative Untersuchungen in Neugeborenenabteilungen und auf pädiatrischen Intensivstationen haben ergeben, dass bis zu 90 Prozent der dort verordneten Medikamente ohne ausdrückliche Zulassung für Kinder waren.

„Bei Kindern die Hälfte…“ – falsch und gefährlich!

Bei Medikamenten, die nur bei Erwachsenen getestet worden sind, fehlen häufig genaue Angaben für die Dosierung bei Kindern. Viele Jahre wurden Medikamente nach dem Motto verschrieben: „Bei Kindern nehme man die Hälfte …“. Das hat sich mittlerweile als falsch und mitunter auch als gefährlich erwiesen: Stoffwechsel und Wasserhaushalt funktionieren beim Kind oft nach anderen Regeln.

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen und Jugendliche sind keine großen Kinder, betont die Stiftung Kindergesundheit. Sie unterscheiden sich auch in ihren jeweiligen Entwicklungsphasen deutlich untereinander. Eine internationale Richtlinie teilt die jungen Patienten in fünf Entwicklungsstufen ein: „Frühgeborene“, „Neugeborene“ (bis 27 Tage), „Säuglinge und Kleinkinder“ (28 Tage bis 23 Monate), „Kinder“ (2 bis 11 Jahre) und „Jugendliche“ (12 bis 18 Jahre). Um die richtige Dosierung eines Wirkstoffs für diese unterschiedlichen Entwicklungsphasen herauszufinden, müssen oft mehrere Studien durchgeführt werden.

Eine bedeutende Rolle spielt auch die kindgerechte Darreichungsform eines Medikaments. Kleine Patienten können keine Tabletten schlucken, Zäpfchen sind zwar für Babys geeignet, werden von Jugendlichen dagegen kaum akzeptiert. Für jüngere Kinder müssen Tabletten oft zerkleinert und in Flüssigkeiten oder Lebensmittel eingerührt werden.

Studien mit Kindern sind aufwändig und teuer

Klinische Studien mit Kindern sind jedoch mit einem erheblichen Aufwand verbunden. Besonders schwierig gestaltet sich die Suche nach Teilnehmern: Die Patientengruppen sind klein, was die Organisation von Studien erschwert. Zudem sind viele Eltern nicht bereit, ihr Kind an Studien teilnehmen zu lassen: Sie wollen nicht, dass ihr Kind zum „Versuchskaninchen“ wird oder haben Angst, dass die Studie ihr Kind zu stark belastet. Die Teilnahme an einer klinischen Studie ist außerdem nicht besonders attraktiv: Es werden höchstens die Fahrtkosten erstattet, Geschenke oder Zuwendungen für das Kind oder seine Eltern sind nicht erlaubt.

Eltern sollten jedoch wissen: Ihr Kind profitiert von der Teilnahme an einer Arzneimittelstudie, betont die Stiftung Kindergesundheit. Untersuchungen zeigen, dass an Studien teilnehmende Kinder eine noch bessere Behandlungsqualität erfahren und auch bessere Behandlungsergebnisse erzielen als Kinder mit der gleichen Erkrankung, die keine Studienteilnehmer sind. Das liegt offenbar am zusätzlichen Studienpersonal und an den strengen Studienbedingungen, die eine besonders genaue Überwachung der Therapie zur Folge haben.

Zu hohe Kosten für die Industrie

Die Forschung für kranke Kinder ist deshalb sehr teuer. Die Forschungskosten für die pädiatrische Entwicklung liegen bei einem neuen Arzneimittel laut Bundesverband der Arzneimittelhersteller BAH im Durchschnitt bei rund 20 Millionen Euro. Auch die Weiterentwicklung eines bekannten Wirkstoffs zu einer kindgerechten Darreichungsform kostet mindestens 350 000 Euro. Das sei für viele kleine und mittelständische Unternehmen zu viel, sagen die Hersteller.

Gründe für das Desinteresse der Industrie liegen auf der Hand: Arzneimittel mit hohen Umsatzzahlen bei chronisch kranken Erwachsenen lassen den Forschungsaufwand rasch wieder amortisieren. Kinder dagegen sind in der Regel zum Glück nur selten krank und selbst dann benötigen sie nur geringe Mengen eines Wirkstoffs.

„Fehlen aber wissenschaftliche Daten zu Wirkmechanismus, Wirksamkeit oder Unbedenklichkeit eines Arzneimittels bei Kindern, so wächst das Risiko von unerwünschten oder sogar gefährlichen Nebenwirkungen“ betont Professor Berthold Koletzko. „Bei der ‚Off-label-Verordnung’ bei Kindern kommen unerwünschte Arzneimittelreaktionen sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich doppelt so häufig vor wie bei einer zugelassenen Arzneimittelanwendung“.

Hoffnungen der Kinderärzte haben sich nicht erfüllt

Nach Inkrafttreten der EU-Verordnung hatten Kinder- und Jugendärzte zunächst große Hoffnungen in die Einführung des sogenannten PUMA‐Prozesses gesetzt. PUMA bedeutet Paediatric Use Marketing Authorization und beschreibt die Möglichkeit für die Hersteller, in einem vereinfachten Zulassungsverfahren ältere Wirkstoffe auf ihre Wirksamkeit zu testen und kindgerechte Darreichungsformen zu entwickeln. Das war als Anreiz für die Industrie gedacht, weil Unternehmen für das neu zugelassene Kinderarzneimittel einen zehnjährigen Unterlagenschutz erhalten. Der erhoffte Effekt blieb jedoch aus: In den elf Jahren haben lediglich drei Präparate (Midazolam, Propanolol und Glycopyroniumbromid) eine PUMA‐Zulassung erhalten.

Der Grund: Für Pharma-Unternehmen ist es wenig attraktiv, ältere und patentfreie Arzneimittel für Kinder weiterzuentwickeln, sie in klinischen Studien zu testen und den Zulassungsprozess zu durchlaufen. Viele ältere Wirkstoffe sind in das Festbetragssystem der Krankenkassen eingeordnet. So kann der Hersteller eines PUMA-Medikaments trotz der Forschungskosten für die pädiatrische Darreichungsform keine höheren Preise erzielen als zuvor.

„Unsere Kinder tragen durch ungeprüfte Arzneimittel höhere Risiken. Mehr Forschung bleibt daher dringend nötig“, unterstreicht Professor Berthold Koletzko. „Politik, Wissenschaft und Industrie müssen in Zukunft mehr Anstrengungen unternehmen, um den Kleinsten unserer Gesellschaft eine wirksame und sichere Arzneimitteltherapie zu gewährleisten“.

 

Quelle:
Text: Stiftung Kindergesundheit
Foto: istock

Fetalchirugie - noch vor dre Geburt operieren

Fetalchirurgie

Ein Eingriff schon bei ungeborenen Babys? Ja, das ist seit längerem möglich und wird auch mehr und mehr gemacht. Oftmals sind danach die Prognosen für das Baby sehr viel besser als wenn es erst nach der Geburt operiert würde. Seit Juli bietet das Deutsche Zentrum für Fetalchirurgie & minimal-invasive Therapie (DZFT) an der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) die Behandlung von Fehlbildungen und Erkrankungen ungeborener Babys an. Mit Professor Dr. med. Thomas Kohl leitet ein international anerkannter Pionier der minimal-invasiven Fetalchirurgie das Zentrum.

Minimal-invasiv

Professor Kohl ist ein internationaler Pionier der minimal-invasiven Fetalchirurgie und befasst sich bereits seit 25 Jahren mit Eingriffen bei ungeborenen Babys: Bereits 1993 entwickelte er an der University of California (San Francisco, USA) neuartige Operationstechniken zur Behandlung von Herzfehlern bei Feten im Mutterleib. 2002 brachte er seine für Mutter und Kind besonders schonende minimal-invasive Methode erstmals in Deutschland beim Verschluss eines ‚offenen Rückens‘ (Spina bifida) zum Einsatz. Dabei nutzt er im Gegensatz zu anderen Behandlungsmethoden nur winzige Zugänge zur Fruchthöhle und operiert das ungeborene Baby, ohne es dazu aus der Gebärmutter zu entnehmen.

Weiter entwickelt

„Wird ein ‚offener Rücken‘ bereits im Mutterleib operiert, können wir den Kindern die sonst unvermeidlichen Lähmungen der Beine oft ersparen und sie können ein weitgehend normales Leben führen“, erläutert Kohl und ergänzt: „Seit der Einführung der minimal-invasiven Operation haben wir das Verfahren immer weiter entwickelt, so dass heute nach der Geburt meist keine weitere Operation mehr nötig ist.“ Kohl bietet auch neuartige Verfahren zum minimal-invasiven Verschluss der Luftröhre an, die bei Zwerchfellhernien, Hydrothorax (Flüssigkeitsansammlungen im Brustraum des Fetus) oder frühzeitigem Blasensprung die Reifung der Lunge beschleunigen können. „Bei der Behandlung lebensbedrohlicher Zwerchfellhernien hat Professor Kohl schon lange sehr eng mit der Klinik für Neonatologie an der UMM zusammengearbeitet“, berichtet Professor Dr. med. Frederik Wenz, Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums. „Mit der unmittelbaren Nähe zwischen der neuen Fetalchirurgie und Neonatologie werden wir diese Kooperation weiter ausbauen und vertiefen – zum Vorteil unserer kleinsten Patienten.“

Lebensqualität

2007 entwickelte Professor Kohl das nach ihm benannte „Kohl-Verfahren“, eine spezielle Sauerstofftherapie zur Behandlung von Ungeborenen mit zu kleinen Herz- und Gefäßstrukturen. Eine 2016 veröffentlichte Studie belegte die Wirksamkeit des Verfahrens: Ohne Sauerstofftherapie mussten 75 Prozent der untersuchten Babys nach ihrer Geburt am Herzen operiert werden, mit der vorgeburtlichen Sauerstofftherapie nur 20 Prozent. „Mit dem DZFT erweitern wir unsere Expertise bei der vorgeburtlichen Diagnose von Erkrankungen um modernste medizinische und chirurgische Behandlungsmethoden“, betont Professor Dr. med. Marc Sütterlin, Direktor der UMM-Frauenklinik, an die das DZFT als eigenständige Sektion angegliedert ist. „So können wir viele Kinder mit guter Lebenserwartung und Lebensqualität auf die Welt bringen, die noch vor wenigen Jahren kaum eine Chance hatten.“

Dr. med. Thomas Kohl

Kohl studierte von 1983 bis 1990 Medizin an der Universität-Gesamthochschule Essen. Nach seiner Approbation 1992 war er an der Kinderklinik der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster tätig, wo er sich vorrangig mit Kinderkardiologie befasste. Bei einem dreijährigen Forschungsaufenthalt in den USA entwickelte er erste minimal-invasive Operationstechniken zur Behandlung von Herzfehlern bei Feten im Mutterleib.

In Deutschland gründete er eine Arbeitsgruppe zur Entwicklung experimenteller und klinischer fetal-kardialer Interventionstechniken, legte 2001 die Prüfung zum Facharzt für Kinderheilkunde ab und habilitierte sich im gleichen Jahr an der Medizinischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

2002 wechselte er als Oberarzt für Klinische und Experimentelle Fetale Kardiologie und Fetalchirurgie an die Universitätsfrauenklinik Bonn. Dort wurde er 2004 leitender Oberarzt des von ihm gegründeten Deutschen Zentrums für Fetalchirurgie & minimal-invasive Therapie (DZFT). 2010 wechselte er als Chefarzt des DZFT an das Universitätsklinikum Gießen und Marburg.

Seit Juli 2018 leitet er das Deutsche Zentrum für Fetalchirurgie & minimal-invasive Therapie am Universitätsklinikum Mannheim (UMM), wo er bei der nachgeburtlichen Versorgung der von ihm operierten Kinder eng mit der Klinik für Neonatologie zusammenarbeitet.

Internationales Engagement

Die von Professor Kohl entwickelten und verfeinerten Operationsmethoden kommen inzwischen teilweise auch in São Paulo (Brasilien), an der Bilim Universität in Istanbul (Türkei), an der Universität Warschau (Polen) und der University of Texas (USA) zum Einsatz. Für sein internationales Engagement und die Verbreitung seiner Operationstechniken wurde er mit Ehrenprofessuren der Bilim Universität, Istanbul (Türkei) und der China Medical University, Shenjing, ausgezeichnet.

Niemals Schütteln

Babys niemals schütteln!

Wenn Eltern für einen kurzen Moment die Kontrolle verlieren und ihr schreiendes Baby schütteln, können sie ihm schwere Schäden zufügen, die zu körperlicher und geistiger Behinderung führen können. Zehn bis 30 Prozent der Kinder sterben sogar an den Folgen eines Schütteltraumas.

Wie hoch der Aufklärungsbedarf in der Bevölkerung zum Schütteltrauma ist, zeigt eine aktuelle Repräsentativbefragung des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH). Nur 79 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass man Babys niemals schütteln darf. 24 Prozent der Befragten meinen irrtümlicherweise, dass Schütteln einem Baby nicht schade.

Das Nationale Zentrum Frühe Hilfen hat es sich zusammen mit dem „Bündnis gegen Schütteltrauma” zur Aufgabe gemacht, über die Folgen des Schüttelns von Säuglingen und Kleinkindern aufzuklären – im Auftrag des Bundesfamilienministeriums (BMFSFJ).

Aufklärung ist notwendig

„Leider kommt es immer wieder vor, dass Babys durch Schütteln schwer verletzt werden, manche sogar sterben. Deshalb ist Aufklärung für Eltern notwendig. Sie müssen wissen, wo sie Hilfe bekommen, wenn sie sich überfordert fühlen“, erklärte Dr. Katarina Barley, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. „Eltern dürfen in schwierigen Situationen nicht alleine gelassen werden. Deshalb ist die Arbeit des „Bündnis gegen Schütteltrauma“ so wichtig. Ich danke allen Bündnispartnerinnen und -partnern für ihr Engagement.“

Das Wissen über frühkindliche Schreiphasen, die als Hauptauslöser für das Schütteln von Säuglingen gelten, ist in der Bevölkerung gering. Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), dem Träger des NZFH, berichtet: „Zwei Drittel der Befragten ist nicht darüber informiert, dass es intensive Schreiphasen im Säuglingsalter geben kann.

Aufklärung

18 Prozent der Befragten glauben sogar, dass Babys manchmal nur schreien, um zu ärgern. Deshalb ist es wichtig, dass Eltern von Babys, die viel schreien, gut informiert sind und wissen, wo sie rechtzeitig Unterstützung finden können.“

23 Verbände, Vereine und Institutionen aus dem Gesundheitswesen, dem Kinderschutz und der Kinder- und Jugendhilfe haben sich dem „Bündnis gegen Schütteltrauma“ angeschlossen.

Durch neue Informationsmaterialien werden den Eltern Wege aufgezeigt, wie sie mit der Situation besser umgehen können. Wichtige Anlaufstellen für Eltern, deren Baby viel schreit, sind die niedergelassenen Kinderärztinnen und Kinderärzte, Frühe Hilfen in den Kommunen sowie (Familien-)Hebammen. Aber auch Wohlfahrtsverbände, Vereine und Kinderkliniken bieten spezielle Beratungsangebote für Säuglinge mit Regulationsproblemen.

Neue Informationsangebote

Den Flyer und einen Aufklärungsfilm zum Schütteltrauma sowie Adressen von Beratungsstellen finden Sie unter: http://www.elternsein.info.

Für die Repräsentativbefragung „Bekanntheit und Wissen zu Schütteltrauma und Babyschreien in Deutschland 2017“ wurden 1.009 Personen im Alter zwischen 16 und 49 Jahren im Mai 2017 befragt. Ein Info-Blatt mit ausgewählten Ergebnissen und Hintergrundinformationen zum Schütteltrauma finden Sie hier:

http://www.fruehehilfen.de/presse-buendnis-gegen-schuetteltrauma oder http://www.bzga.de/presse/daten-und-fakten/nationales-zentrum-fruehe-hilfen

Das Plakat gibt es auch zum Herunterladen unter:
http://www.bzga.de/presse/pressemotive/nationales-zentrum-fruehe-hilfen
„Bündnis gegen Schütteltrauma

 

Quelle: www.deutschesgesundheitsportal.de

Mutter stillt ihr Baby

Stillen – Basis fürs Leben

Muttermilch ist die natürliche und optimale Nahrung für Säuglinge: Sie ist gut verdaulich, enthält Abwehrstoffe, ist immer verfügbar, hygienisch einwandfrei, richtig temperiert und muss nicht zubereitet werden. Die Nationale Stillkommission am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist auf die Bedeutung des Stillens für Mutter und Kind hin und empfiehlt, durch Aufklärung und Information die Still-Akzeptanz in der Öffentlichkeit zu erhöhen. Stillen sollte sowohl im beruflichen Umfeld als auch im täglichen Leben jederzeit und ohne Barrieren möglich sein.

Gesünder durchs Leben

Gestillte Säuglinge werden seltener krank als nicht gestillte, sie leiden unter anderem seltener an Atemwegsinfekten, Durchfallerkrankungen und Übergewicht im späteren Leben. Auch Mütter profitieren davon, ihr Kind zu stillen: Das Risiko sinkt, an Brust- und Eierstockkrebs, Osteoporose, Diabetes Typ 2 oder Übergewicht zu erkranken. Durch die Ausschüttung der Hormone Oxytocin und Prolaktin leiden stillende Mütter weniger unter Stress. Sie sind mit ihren Säuglingen mobiler, weil Muttermilch immer verfügbar ist. Stillen fördert außerdem die emotionale Bindung zwischen Mutter und Kind.

Stillakzeptanz in der Öffentlichkeit

Eine Studie im Auftrag des BfR hat gezeigt, dass für jede zehnte Mutter, die frühzeitig abstillt, die ablehnende Haltung in der Öffentlichkeit einer der Gründe dafür ist. Zwar lehnen es nur sechs Prozent der Bevölkerung komplett ab, wenn eine Frau ihr Baby in der Öffentlichkeit stillt, allerdings steht jede vierte befragte Person dem Stillen im öffentlichen Raum zumindest zwiespältig gegenüber. Insbesondere in Restaurants und Cafés besteht eine Diskrepanz zwischen der Akzeptanz des Stillens und dem Stillverhalten von Müttern. Aus Sicht eines großen Teils der Öffentlichkeit ist das Stillen dort nur bedingt angemessen, Frauen können und wollen aber nicht grundsätzlich darauf verzichten, ihre Kinder auch in Restaurants und Cafés zu stillen. Die Nationale Stillkommission befürwortet daher Maßnahmen, um insbesondere an diesen Orten die Stillakzeptanz zu erhöhen.

Stillempfehlungen

Obwohl das Trinken von Muttermilch an der Brust eine angeborene Fähigkeit von Säuglingen ist, brauchen Stillende insbesondere zu Beginn der Stillzeit häufig kompetente Beratung und Unterstützung. Die am BfR angesiedelte Nationale Stillkommission hat daher Stillempfehlungen in sieben Sprachen veröffentlicht, die über das BfR kostenlos angefordert werden können. Die Stillempfehlungen enthalten praktische Tipps sowie Hinweise auf weitere Organisationen, die bei Stillproblemen neben der Hebamme, Stillberaterin oder dem Frauen- oder Kinderarzt kontaktiert werden können:

https://www.bfr.bund.de/de/publikation/stillempfehlungen-61959.html

 

Quellen:

Über die Nationale Stillkommission am BfR

Die Nationale Stillkommission wurde 1994 mit dem Ziel gegründet, die Entwicklung einer neuen Stillkultur in der Bundesrepublik Deutschland zu unterstützen und dazu beizutragen, dass Stillen zur normalen Ernährung für Säuglinge wird. Der Kommission gehören Mitglieder aus medizinischen Berufsverbänden und Organisationen an, die sich für die Förderung des Stillens in Deutschland einsetzen. Weitere Informationen zur Arbeit der Nationalen Stillkommission sind auf der folgenden Website veröffentlicht:

http://www.bfr.bund.de/de/nationale_stillkommission-2404.html

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

www.deutschesgesundheitsportal.de

Kinderprodukte - Augen auf beim Kauf

Typ-1-Diabetes: Immunsystem von Babys trainieren

Im Studienzentrum des Universitätsklinikum Dresden werden Kinder mit einem erhöhten genetischen Risiko für Typ-1-Diabetes im Rahmen der Präventionsstudie POInT vorbeugend behandelt. In die Studie können Kinder eingeschlossen werden, bei denen im Rahmen des 2016 begonnenen Freder1k-Neugeborenenscreenings ein erhöhtes genetisches Risiko für Typ-1-Diabetes festgestellt wurde. Sie bekommen zum „normalen“ Essen Insulin als Pulver verabreicht – ein anderer Teil der Kinder (Kontrollgruppe) erhält ein Placebo.

Über die Schleimhäute des Mundes und des Verdauungstrakts wird das Immunsystem mit Insulin konfrontiert. Auf diese Weise soll der Organismus trainiert werden, damit keine fehlerhafte Reaktion des Immunsystems gegenüber den insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse auftritt. Alle Kinder, die an der POInT Studie teilnehmen, werden regelmäßig untersucht und ärztlich begleitet. „Mit diesem Vorhaben bleibt der Freistaat Sachsen Vorreiter in Europa“, sagt Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange, die bereits die Schirmherrschaft für die Freder1k-Studie übernommen hatte und nun das Studienzentrum einweiht. „Die Erforschung von Diabetes hat in Deutschland und auch in Sachsen einen hohen Stellenwert. Neben dem Deutschen Zentrum für Diabetesforschung haben zwei weitere der sechs deutschen Gesundheitszentren einen Partnerstandort in Dresden und auch am Universitätsmedizinstandort Leipzig wird zu Diabetes geforscht, etwa im Profilschwerpunkt der Zivilisationserkrankungen im Rahmen der NAKO Gesundheitsstudie. Forschung im Freistaat Sachsen kann unter hervorragenden Rahmenbedingungen stattfinden und ich freue mich, dass jetzt mit der Präventionsstudie POInT auf der Freder1k-Studie aufgebaut wird, bei der Sachsen besonders bei der Gesundheitsforschung für Kinder bereits eine Vorreiterrolle eingenommen hat.“

„Wir wollen jetzt die großartige Chance nutzen, wenn Kinder ein erhöhtes Risiko haben an Typ-1-Diabetes zu erkranken, diese schwere chronische Krankheit zu verhindern. Dazu wollen wir das Immunsystem dieser Kinder in einem sehr frühen Alter regelmäßig schulen“, sagt Prof. Ezio Bonifacio, der Direktor des Centers for Regenerative Therapies Dresden (CRTD). „In den letzten Jahren haben wir mit Studien wie ‚Freder1k in Sachsen‘ und ‚Fr1da in Bayern‘ viele Erfahrungen sammeln können, was die Umsetzbarkeit von Typ-1-Diabetes Risiko-Screening-Studien angeht. Durch diesen Erfolg können wir jetzt einen Schritt weitergehen und die Prävention voranbringen – die Chancen dafür stehen gut“.

„Für diese Studie eröffnen wir in den Räumen der Kinderklinik ein modernes Studienzentrum Pädiatrie“, erklärt der Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Prof. Reinhard Berner. Die Familien werden hier über die POInT-Studie informiert, im Umgang mit dem Medikament geschult und alle zwei Monate beziehungsweise später alle sechs Monate medizinisch untersucht. Das Studienzentrum soll – in enger Zusammenarbeit mit dem CRTD – Ausgangspunkt für den Aufbau eines „Centers for Early Diagnostics and Prevention of Childhood Inflammatory Diseases“ werden, das mittel- und langfristig in Dresden die translationale klinische Forschung für Kinder ermöglichen soll.

Für Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums, ist dieser Schritt nur konsequent: „Als Hochschulmedizin haben wir immer die enge Zusammenarbeit mit den Forschungseinrichtungen in unserer Nachbarschaft unterstützt, denn ich bin mir sicher, dass es funktionierender Kooperationen bedarf, um die neuesten Therapieansätze zu unseren Patienten zu bringen. Davon profitieren nun die in Sachsen zur Welt gekommenen Kinder und die jungen Eltern, die zuerst am Neugeborenenscreening der Freder1k-Studie teilgenommen haben und nun bei uns im Studienzentrum Pädiatrie innerhalb der POInT-Studie umfassend betreut werden können.“ Die POInT-Studie ist nicht nur eine einmalige Chance für die betroffenen Familien, „diese Studie könnte weltweit im Kampf gegen Typ-1-Diabetes eine ganz neue Dimension der Prävention von Autoimmunerkrankungen eröffnen.“, führt Prof. Bonifacio aus.

Gemeinsam mit Partnern in Deutschland, Schweden, Großbritannien, Polen, Belgien und Deutschland sollen europaweit mehr als 300.000 Kinder auf ein erhöhtes Typ-1-Diabetes-Risiko untersucht werden. „Jedes Kind, bei dem ein erhöhtes Risiko festgestellt wird, bekommt die Teilnahme an dieser Präventionsstudie angeboten. Sollte diese Studie das erhoffte Ergebnis erbringen, wäre dies ein Durchbruch in der Prävention einer bisher unheilbaren Krankheit“, sagt , Prof. Reinhard Berner: „In der Klinik sehen wir, in welche lebensbedrohlichen Situationen Kinder kommen, wenn sie an Typ-1-Diabetes erkranken und welch lebenslanges Schicksal das für die betroffenen Patienten und Familien bedeutet.“

Weitere Informationen zur POInT-Studie
www.gppad.org/de/point-studie/

Bad father is smoking and holding baby.

Passivrauchen – Gefahr für die Kleinsten

Passivrauchen gefährdet Ungeborene sowie Kinder und Jugendliche in großem Maße, warnt Dr. Freerk Prenzel, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Leipzig. „Wenn ein Kleinkind ständig unter Mittelohrentzündungen leidet und seine Sachen riechen nach Rauch, sollten Ärzte und Schwestern, aber auch Tanten und Omas aufmerksam werden“, sagt der Experte für Kinderpneumologie und Kinderallergologie. „Denn Mittelohrentzündungen könnten eine Folge davon sein, dass die Eltern rauchen – und das Kind ständig passiv mit.“

Wenn die Schwangere selbst raucht oder fortwährendem Tabakkonsum ausgesetzt ist – also eine Passivraucherin wird, weil zum Beispiel der Partner raucht –, können beim werdenden Kind Entwicklungsschädigungen entstehen, die sich im gesamten späteren Leben negativ bemerkbar machen. In Extremfällen können diese Schädigungen sogar zur Früh- oder Fehlgeburt führen. „Auch plötzlicher Kindstod, Fehlbildungen, eingeschränkte Lungenfunktion, Kreislauferkrankungen, geistige Entwicklungsstörungen und auch Verhaltensstörungen sind mit indirektem Nikotinkonsum assoziiert“, so Dr. Prenzel.

Die Gefahren für das Kind werden nicht weniger, wenn es auf der Welt ist und die Eltern rauchen und somit das Baby selbst zum Passivraucher wird. Die dann lauernden Mittelohrentzündungen gehören noch zu den harmlosen Erkrankungen. Denn Lungeninfektionen und Asthma, Krebserkrankungen, Stoffwechselstörungen und Veränderungen des Immunsystems sind nicht selten. „Das tägliche Einwirken von Tabakrauch ist das größte Problem“, so der Leipziger Kinderarzt. „Und wenn die Eltern sich selbst beruhigen wollen, indem sie sagen, nur draußen auf dem Balkon zu rauchen – da muss ich sagen: Studien zeigen, dass die Stoffe, die beim Rauchen frei werden, sich an den Händen, der Bekleidung und dann auch im Hausstaub nachweisen lassen. Und auf dem Teppich krabbeln die Kleinen herum. Kein Wunder, dass dann die Abbauprodukte von Nikotin im Urin der Kinder zu finden sind.“

Das Rauchen der Eltern im Auto ist aus der Sicht des Mediziners eine „erhebliche Gefährdung der eigenen Kinder“. Da spiele auch keine Rolle, ob die Klimaanlage laufe, ein Fenster offen sei oder nicht. Eine einzige Zigarette habe auf einem Kubikmeter mehr oder weniger abgeschossenem Raum sehr intensive Wirkung.

Wie Dr. Prenzel weiter sagt, würde die konsequente Umsetzung der WHO Rahmenkonvention zur Eindämmung des Tabakgebrauchs und die Realisierung des vom Medizin-Journal „Lancet“ ausgerufenen Ziels, bis 2040 die Zahl der Raucher unter fünf Prozent der Bevölkerung zu drücken, ein riesiger Schritt auch für die Gesundheit der Kinder sein.

„In Deutschland wurde mit dem Rauchverbot für die meisten Gaststätten, mit der teilweisen Einschränkung von Tabakwerbung und dem Aufdruck von Krankheitsbildern auf Zigarettenschachteln schon einiges bewegt“, so der Leipziger Kinderarzt. „Dennoch erachte ich es als einen grundlegenden Fehler, die Tabakwerbung nicht komplett zu verbieten.“ Zugleich ist er sicher, dass das Rauchen nicht nur gebrandmarkt werden muss, sondern Rauchern auch geholfen werden muss, von der Sucht loszukommen. Unter rauchfrei-info.de werde viel Information geboten und gleichzeitig Hilfsangebote gemacht. „Ich tue mit Nichtrauchen etwas für mich, ich tue mit Nichtrauchen etwas für meine Kinder und ich tue mit Nichtrauchen etwas für meinen Geldbeutel – wenn es gelänge, diese Erkenntnisse in die Hirne der Raucher zu pflanzen, wäre viel gewonnen.“

Geistige und körperliche Entwicklung

Familienplanung: Schneller zum Wunschkind

Sind Paare bereit für das Abenteuer Familie, dann soll es mit dem Wunschkind möglichst schnell gehen. Viele Frauen nehmen an, dass sie schwanger werden, sobald sie nicht mehr verhüten. Doch so einfach ist es nicht – denn nur an bestimmten Tagen im Zyklus ist der weibliche Körper überhaupt empfängnisbereit. Dieser dauert laut Lehrbuch im Durchschnitt circa 28 Tage – etwa um den 14. Tag nach Beginn der letzten Periode findet der Eisprung statt. Die Realität sieht jedoch oft anders aus: Wie Studien zeigen, weisen 70 Prozent der Frauen längere oder kürzere Zyklen auf, und auch die Eisprungzeit kann durchaus variieren.

Zudem steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Geschlechtsverkehr zu einer Schwangerschaft führt, bereits fünf Tage vor dem Eisprung, da der männliche Samen in der Scheidenflora so lange überleben und auf die gesprungene Eizelle „warten“ kann. Die Eizelle selbst ist auf ihrer Wanderschaft sechs bis zwölf Stunden überlebensfähig und kann in dieser Zeit befruchtet werden.

Das eigene Fruchtbarkeitsmuster erkennen

Die höchste Empfängniswahrscheinlichkeit herrscht allerdings an den zwei Tagen direkt vor dem Eisprung. Zu wissen, wann genau die fruchtbaren Tage sind, kann für Paare daher die Chance erhöhen, dass der Wunsch nach einem Kind schneller in Erfüllung geht. Ermitteln lässt sich dieser Zeitraum etwa mit dem OvulaRing. In die Scheide eingeführt, misst er die Körperkerntemperatur alle fünf Minuten, um aus tausenden Messdaten das persönliche Fruchtbarkeitsmuster der Frau zu erkennen und die Daten individuell auszuwerten. Anhand der graphischen Darstellung der Zykluskurve werden die möglichen fruchtbaren Tage für den nächsten Zyklus erkennbar. Neu ist die Anzeige der tagesaktuellen Empfängniswahrscheinlichkeit mit dem Status „Gering“, „Mittel“ oder „Hoch“. Bei der Statusangabe „Hoch“ ist die Wahrscheinlichkeit, in diesem Zyklus schwanger zu werden, am höchsten.

Entspannt bleiben trotz Kinderwunsch

In einer Studie berichtete eine Untergruppe von Anwenderinnen, dass sie nach durchschnittlich knapp vier Monaten schwanger geworden sind – persönliche Geschichten finden sich unter www.ovularing.de. Übrigens: Wenn Paare sich zu sehr unter Druck setzen und nur noch Sex nach Plan ausüben, kann sich der Stress störend auf die Fruchtbarkeit auswirken. Der Eisprung verzögert sich oder bleibt aus, bei Männern kann die Spermienqualität leiden. Eine Auszeit mit Ablenkung vom Kinderwunsch kann für mehr Gelassenheit sorgen. Innere Ruhe und Entspannung fördern auch Techniken wie Yoga oder Autogenes Training. Zudem sollte im Zuge der Familienplanung, wenn möglich, auf Alkohol und Nikotin verzichtet werden.

Worauf Kinderwunsch-Mütter achten sollten

Ein aktiver Lebensstil und eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung schaffen gute Voraussetzungen, um schwanger zu werden. So decken frisches Obst und Gemüse den Bedarf an Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen im Körper. Zudem wird durch Bewegung starkes Übergewicht vermieden, welches einer Schwangerschaft im Weg stehen kann. Gut zu wissen: Wenn häufiger Geschlechtsverkehr nicht zu einer Schwangerschaft führt, kann es daran liegen, dass dabei die Zahl der Samenzellen im Sperma abnimmt. Hilfreich kann sein, den Eisprung zu erkennen, etwa mit dem OvulaRing, denn die Chance auf eine Befruchtung liegt am höchsten am errechneten Tag des Eisprungs, an den zwei bis drei Tagen davor und am Tag danach.

Rubrik gesundheit

Mama massiert – Baby genießt!

Ein Neugeborenes nimmt seine Umgebung über den Tastsinn wahr. Durch die Berührungen bei der Babymassage erlebt das Kind eine ganzheitliche Fürsorge. Sie wirkt sich positiv auf eine natürliche, gesunde Entwicklung sowie auf den Kreislauf, die Muskulatur, die Durchblutung und die Verdauung des Säuglings aus.

Die meisten Hebammen wissen, wer Kurse für die Babymassage anbietet, oft leiten sie auch selbst Kurse. Für Mütter oder Väter bietet es sich an, solch einen Kurs zu belegen,um die richtigen Techniken zu erlernen.

Auch wenn Sie selbst loslegen möchten, geht das. Es gibt jedoch einige Punkte, die Sie auf jeden Fall beachten sollten. Das Zimmer sollte warm sein, es darf nicht ziehen. Das Baby liegt auf einem Handtuch oder gefaltetes Laken, vielleicht mit einer Unterlage darunter. Wenn Sie den Eindruck haben, dass es im Raum zu kühl ist, können Sie eine Wärmelampe oder einen Heizlüfter aufstellen. Dann kann Ihr Baby auf jeden Fall während der Massage nackt bleiben.

Wenn Sie Öl oder eine Creme verwenden, gleiten Ihre Hände leichter über die Haut des Babys und das ist vielleicht auch für Ihr Baby entspannender. Verwenden Sie eine Feuchtigkeitscreme, pflanzliches oder mineralhaltiges Babyöl für die Massage. Auch Kokosfett (Palmin-Würfel) ist bei einigen Eltern sehr beliebt.

Es gibt jedoch einige Öle und Cremes, die lieber nicht verwendet werden sollten, weil sie die Haut Ihres Babys irritieren können. Diese sind:

  • Senföl, weil es durch die Herstellungsmethode vielleicht mit anderen Samen verunreinigt worden ist .
  • nicht raffiniertes Erdnussöl, weil die Proteine darin eine allergische Hautreaktion bei Ihrem Babys hervorrufen können. Es ist schwierig, reines raffiniertes Erdnussöl zu finden.
  • Wasserhaltige Creme, weil sie Reinigungsmittel enthält, die die Haut Ihres Babys irritieren können.

Die Massage beginnt immer mit den Beinen und Füßen des Babys, bevor die Arme, Hände und der Körper folgen. Babys wissen die immer gleiche Reihenfolge zu schätzen, es beruhigt sie, wenn sie wissen, was kommt. Bei den ersten Malen, reicht es, sich auf die Beine und Füße des Babys zu beschränken. Es sollte sich langsam an das Gefühl gewöhnen.

Und so könnte die Massage aussehen:

  • Wärmen Sie einen kleinen Spritzer Öl oder Creme an, indem Sie ihn in Ihren Handflächen reiben.
  • Reiben Sie das Öl oder die Creme sehr sanft in die Haut Ihres Babys, wobei Sie mit seinen Füßen beginnen.
  • Machen Sie sanft kreisende Bewegungen an jedem Zeh, pressen Sie dann mit den Daumen auf die Fußsohlen Ihres Babys.
  • Arbeiten Sie sich zu den Beinen hoch, indem Sie sanft die Waden und Oberschenkel drücken, als wenn Sie Ton formen.
  • Um die Brust und den Bauch Ihres Babys zu massieren, legen Sie beide Hände flach auf die Mitte seines Körpers. Bewegen Sie Ihre Hände sanft zur Seite, als würden Sie Buchseiten glatt streichen.
  • Ihre Hände sind noch flach. Mit den Fingerspitzen machen Sie nach außen kleine streichelnde Kreisbewegungen.
  • Machen Sie das so lange, wie Ihr Kind es zu genießen scheint.