Category : Gesundheit

Allergie

Hat mein Baby eine Allergie?

Magen-Darmprobleme, Schnupfen, Augenjucken. Auch Säuglinge können schon von einer Allergie betroffen sein. Mehr über die Symptome und was der Arzt dagegen unternimmt.

Der Schnupfen geht einfach nicht weg, dazu das verräterische Augenjucken: Wenn beim Baby die Nase dauernd läuft und verstopft ist, muss keine Infektion dahinterstecken. Es kann sich auch um einen Heuschnupfen handeln. Davor ist selbst ein Säugling nicht sicher, wenn ihm die Veranlagung hierfür in die Wiege gelegt ist. Sind die Eltern beide Pollenallergiker, liegt die Wahrscheinlichkeit bei bis zu 80 Prozent, dass auch der Nachwuchs empfindlich auf Pollen reagiert. Allergien beim Baby sind also nichts Besonderes. Es fällt nur manchmal schwer, sie als solches zu erkennen.

Pollen

Relativ leicht ist das noch beim Heuschnupfen. Dann ist nicht nur die Nase zu, auch die Augen reagieren gereizt auf die Pollen. Sie sind gerötet, tränen und jucken. Solche typischen Reaktionen des Immunsystems können aber auch durch eine Allergie gegen Hausstaubmilben bzw. deren Kot auftreten. Das ist ebenfalls eine sehr verbreitete Allergie, die nicht nur im Sommer, sondern ganzjährig auftritt. Die Ausscheidungen der winzigen Milben, die sich etwa im Bettzeug verstecken, lösen solche Reizungen aus.

Lebensmittel

Schwieriger wird die Diagnose, wenn es um allergische Reaktionen auf Bestandteile etwa in Lebensmitteln geht. Was schon beim Erwachsenen oft eine lange Suche nach den Auslösern nach sich zieht, kann beim Baby noch komplizierter sein. Am Anfang, wenn es nur Muttermilch bekommt, treten solche Allergien selten auf. Erst nach dem ersten halben Jahr, sobald die Kost umgestellt wird, kann es zu Überreaktionen kommen. Dann sind möglicherweise Bestandteile der Kuhmilch die Ursache, allen voran das Eiweiß. Auch in der Beikost können sich Reizstoffe verbergen. Gelegentlich reagieren Babys auch auf den Muttermilch-Ersatz allergisch, also auf die sogenannte Pre-Milch. In fast all solchen Fällen kommt es dann zu Magen-Darm-Verstimmungen mit Durchfall oder Verstopfung, zu Blähungen mit Schmerzen, mitunter auch zu schwereren Reaktionen wie Atemnot und Hautausschlägen.

Spätestens dann ist ein sogenannter Pricktest beim Arzt nötig. Dabei werden mögliche Allergieauslöser der Reihe nach auf der Haut getestet, und irgendwann taucht der „Schuldige“ auf. Allerdings bieten auch solche Tests keine absolute Gewissheit, ob der betreffende Reizstoff wirklich für die Symptome verantwortlich war. Manchmal reagiert das Immunsystem auf den Test selbst mit einer verstärkten Reaktion, im Alltag aber lässt es den Reizstoff geduldig passieren. Deshalb kann es sinnvoll sein, auch selbst auf die Suche zu gehen. Häufig sind zum Beispiel Bestandteile von Nüssen ein Auslöser von Allergien. Nüsse oder Spuren davon finden sich in zahlreichen Lebensmitteln. Wenn das Baby ersichtlich auf ein bestimmtes Lebensmittel allergisch reagiert, dieses Nahrungsmittel für ein paar Tage weglassen. Gehen die Symptome weg, befindet sich der Auslöser demnach in diesem Lebensmittel. Das kann bei Früchten auch der Fruchtzucker sein, bei künstlich hergestellter Milch und Kuhmilch ist nicht selten der Milchzucker (Laktose-Intoleranz) schuld an den Magen-Darmproblemen.

Kontaktallergie

Bei Hautauschlägen gilt es auch, mögliche Auslöser in Pflegeprodukten oder Waschmitteln zu entlarven. Spezielle Pflegemittel für Babys sind zwar streng geprüft und enthalten normalerweise keine gängigen Reizstoffe, trotzdem zur Sicherheit das Mittel wechseln, wenn sich die Haut rötet, trocken und schorfig wird. Auch in Waschmitteln stecken potenzielle Reizstoffe. Die Wäsche daher sehr gründlich spülen und nur wenig Waschmittel nehmen, damit dieses nach der Wäsche raus ist.

Stillen beugt vor

Stillen ist nachweislich in den ersten Lebensmonaten der beste Schutz gegen eine Allergie. Das haben Studien klar gezeigt. Andere Untersuchungen haben auch ergeben, dass eine zu sterile, also keimfreie Umgebung das Allergierisiko erhöht. Deshalb nicht übertrieben viel putzen und wischen und mit Desinfektionsmitteln sparsam sein. Gut ist es auch, viel zu lüften. Ansonsten ganz normal essen, auch in der Schwangerschaft. Es bringt nichts, ängstlich bestimmte Lebensmittel wie Nüsse wegzulassen, nur um beim Baby eine spätere Allergie zu vermeiden.

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Gefährliche Darminfekte bei Frühgeborenen

Nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden jedes Jahr weltweit 15 Millionen Babys zu früh geboren. In Deutschland sind es jährlich ca. 65 000. Diese Frühgeborenen oder so genannten Frühchen sind wegen des noch unterentwickelten Immunsystems anfälliger für Infektionskrankheiten und neigen häufig auch zu Entzündungen des Magen-Darmtraktes. Diese Infektionen können Schädigungen der Organe nach sich ziehen.

Behandelt werden kann diese Erkrankung mit Antibiotika oder einem chirurgischenEingriff, dem jedoch lebenslange Komplikationen folgen können.  Dass auch Muttermilch schützen kann, haben unlängst wissenschaftliche Studien belegt. Es stellte sich heraus, dass Frühgeborene, die mit Muttermilch ernährt werden, seltener an diesen Infektionen erkranken als Babys, die herkömmliche Säuglingsnahrung zu sich nehmen. Die herkömmliche Säuglingsnahrung unterscheidet sich von der Muttermilch dadurch, dass letztere spezielle Zuckermoleküle enthält, welche im Milchpulver nicht vorkommen. Nach Fetten und Lactose bilden sie den drittgrößten Anteil der menschlichen Muttermilch, und sie kommen in dieser Komplexität und Menge nur in der Muttermilch vor. Sie enthält zwischen fünf und 25 Gramm davon pro Liter.

Muttermilch schützt den Darm von Frühchen

Wissenschaftliche Studien haben nachgewiesen, dass diese natürlichen Zucker verschiedene gesundheitsfördernde Wirkungen auf Säuglinge haben. Sie sind präbiotisch, können das Risiko für Infektionskrankheiten wie Norovirus-Infektionen senken und fördern die neuronale Entwicklung der Neugeborenen. Zudem haben sie einen positiven Einfluss auf die Entwicklung des Immunsystems und die gesunde Entwicklung des Magen-Darmtraktes, was wiederum eine wichtige Rolle beim Schutz vor der gefährlichen Darmentzündungen bei Frühgeborenen spielt. In diesem Zusammenhang konnte nachgewiesen werden, dass manche Zuckermoleküle, die n der Muttermilch vorkommen, diese schädliche Darmerkrankung von Frühgeborenen abwenden können. Das bedeutet, dass vor allem gestillte Babys und Frühgeborene, die Muttermilch bekommen, von den positiven gesundheitlichen Auswirkungen dieser Zuckermoleküle profitieren können.Seit einigen Jahren gibt es jedoch auch eine künstlich hergestellte Babynahrung, die solche Zuckermoleküle enthält und nicht gestillten Babys damit einen guten Schutz bieten kann.

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Wird mein Baby beim Stillen satt?

Wird mein Baby an der Brust wirklich satt? Viele Mütter bringt diese Sorge dazu, mit dem Stillen früher als gewollt aufzuhören. Oder sie fangen gar nicht erst an, obwohl sie es eigentlich fest vorhatten. Manchmal helfen kleine Anpassungen beim Anlegen und Stillen dabei, die Milchbildung noch besser auf den Bedarf des Säuglings abzustimmen. Und das Baby zeigt auch, dass es genug Milch bekommt.

In den ersten Tagen nach der Geburt läuft die Milchbildung erst einmal an. Richtiges Anlegen ist wichtig, damit das Kind an die verfügbare Milch kommt. Mit jedem Stillen wird die Milchbildung angeregt. Menge und Zusammensetzung der Muttermilch sind auf den Bedarf des Babys genau abgestimmt und passen sich während einer Stillmahlzeit und über die gesamte Stillzeit immer wieder an. Voraussetzung dafür ist, dass sensibel auf die Hungersignale des Babys reagiert und nach Bedarf gestillt wird. Das Kind kann etwa durch Unruhe, Strampeln oder Such- und Schmatzbewegungen zeigen, dass es gestillt werden möchte. Oder auch durch eine angespannte Körperhaltung, geballte Fäuste oder Saugen am Finger. Schreien ist bereits ein spätes Hungersignal.

Mehr Hunger bei Wachstumsschüben

Wie oft und wie lange ein Baby trinkt, ist ganz verschieden. Verlangt ein Baby z. B sehr häufig die Brust oder trinkt es besonders kurz oder lange, lässt sich daraus kein „Milch-Mangel“ ableiten. Bei Wachstumsschüben braucht das Baby mehr Nahrung. Dann ist es besonders wichtig, das Kind häufiger anzulegen, damit die Milchbildung über die Stillhormone angepasst wird.

Nach dem Anlegen an die Brust macht das Baby zunächst kurze, schnelle Saugbewegungen, bis die Milch kommt. Danach saugt und schluckt es rhythmisch und ausdauernd mit gelegentlichen Pausen. Ein hörbares Schlucken jeweils nach ein- oder zweimal Saugen ist ein hilfreiches Zeichen dafür, dass es mit dem Trinken klappt. Wenn das Baby satter wird, entspannen sich seine Hände und Arme immer mehr. Es macht einen zufriedenen Eindruck, lässt die Brustwarze los und schläft vielleicht ein.

 

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Mütter stillen zu wenig

Direkt nach der Geburt beginnen etwa 90 Prozent der Mütter mit dem Füttern an der Brust. Nach zwei Monaten werden noch 70 Prozent der Säuglinge gestillt. Nach sechs Monaten sind es nur noch zwischen 40 und 50 Prozent. „Je jünger und sozial benachteiligter die Mutter ist, desto geringer ist die Stillquote, sagt Dr. med. Gabriela Stammer, Gynäkologin aus Wennigsen anlässlich der Weltstillwoche vom 30.9. bis 6.10.2019.

Einen häufigen Grund für das zeitige Abstillen sieht Katharina Desery von der Elterninitiative Mother Hood e. V. in der fehlenden Begleitung der Mütter nach der Geburt und in den ersten Wochen. „Mütter erhalten innerhalb der ersten entscheidenden Minuten im Kreißsaal und auf der Wochenbett-Station meist zu wenig Unterstützung vom Klinikpersonal.“ Sie seien oft auf sich alleine gestellt. Dann geben sie auch unter dem Druck nach, das Gewicht des Säuglings halten zu müssen, und stimmen der Fütterung durch künstliche Säuglingsnahrung zu. Darüber hinaus begünstigen mangelnde Still-Kenntnisse, falsches Anlegen und daraus entstehende Entzündungen der Brustwarzen das zeitige Abstillen.

Stillberatung vor der Geburt

Frauen sollten daher bereits vor der Geburt eine ausführliche Stillberatung erhalten, so Desery. Dabei müssen sie durch Frauenarzt, Hebamme, Klinik, Kinderarzt und ihr sozialen Umfeld informiert und unterstützt werden. „Stillberatung gehört zu den Aufgaben der Hebammen. Damit Stillberatung aber effektiv ist, muss sie auch von den andern Fachberufen geleistet werden“, sagt Jutta Eichenauer, Hebamme und 1. Vorsitzende des Hebammenverbands Baden-Württemberg. Ein möglicher Grund, weshalb die Beratung oft zu kurz kommt: „In der Hebammenarbeit wird die Stillberatung vergütet, beim Frauen- und Kinderarzt jedoch nicht.“ Habe die Mutter keine Hebamme – wie das heute leider allzu oft der Fall ist –, bleibe ihr eine solche Beratung meist vorenthalten.

Über die Muttermilch erhält der Säugling alles, was er zum Leben braucht. Darüber hinaus enthält Muttermilch Abwehrstoffe, die in der ersten Zeit seines Lebens das Immunsystem stärken. Das bewahrt das Baby vor Infektionen.

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Nüsse helfen Schwangeren

Eine mediterrane Ernährung mit einem hohen Gehalt an guten ungesättigten Fetten, die in Nahrungsmitteln wie Walnüssen oder nativem Olivenöl enthalten sind, verringert das Risiko von Herzinfarkten und Schlaganfällen. Der gesundheitliche Vorteil dieser Ernährung wirkt sich offenbar auch bei Schwangeren aus. An der englischen Studie nahmen 1.252 werdende Mütter mit Risikofaktoren wie Übergewicht und Bluthochdruck teil. Die Frauen erhielten zusätzlich Folsäure und Vitamin D und wurden nach dem Zufallsprinzip entweder der Gruppe mit mediterraner Ernährung oder einer Kontrollgruppe zugeteilt.

Jeden Tag eine Portion Nüsse

Die Frauen, die sich mediterran ernährten, nahmen jeden Tag eine Portion Nüsse zu sich (30 g pro Tag: 15 g Walnüsse, 7,5 g Mandeln, 7,5 g Haselnüsse) und verwendeten zum Kochen hauptsächlich natives Olivenöl (0,5 l pro Woche). Darüber hinaus lag der Schwerpunkt der Ernährung auf Obst, Gemüse, Vollkorngetreide und Hülsenfrüchten, mäßigem bis hohem Verzehr von Fisch, geringem bis mäßigem Verzehr von Geflügel und Milchprodukten, geringem Verzehr von rotem Fleisch und Wurst und der Vermeidung von zuckerhaltigen Getränken, Fast Food und Lebensmitteln, die reich an tierischen Fetten sind.

Die Teilnehmerinnen erhielten in der 18., 20. und 28. Schwangerschaftswoche Ernährungsempfehlungen, wonach die Ernährung besser eingehalten und kulturell angepasst werden konnte. Die Wissenschaftler bewerteten die Einhaltung der Ernährung anhand von Berichten der Teilnehmerinnen mit deren eigenen Angaben.

Außerdem untersuchten die Wissenschaftler den Einfluss einer mediterranen Ernährung auf andere Schwangerschaftskomplikationen wie Bluthochdruck, Präeklampsie („Schwangerschaftsvergiftung“), Fehlgeburt oder für das Schwangerschaftsalter zu kleine Föten. Hier konnten allerdings keine signifikanten Zusammenhänge erkannt werden.

Jede vierte Mutter wies bereits zu Beginn der Schwangerschaft Übergewicht, chronischen Bluthochdruck oder einen erhöhten Lipidspiegel auf, was Schwangerschaftskomplikationen, ein langfristiges Diabetesrisiko und kardiovaskuläre Komplikationen bei Mutter und Kind verursachen kann. Fazit der Untersuchung: Die Frauen, die sich während der Schwangerschaft mediterran ernährten – einschließlich einer täglichen Portion Nüsse (die Hälfte davon Walnüsse) und natives Olivenöl – hatten ein um 35 Prozent niedrigeres Risiko, an Schwangerschaftsdiabetes zu erkranken. Sie nahmen im Durchschnitt um 1,25 Kilogramm weniger an Gewicht zu.

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Impfung gegen gefährliche Sepsis

Neben Aufklärung über die gefährliche Erkrankung, wird es vor allem um die möglichen Schutzmaßnahmen gegen Sepsis gehen. Denn vor einigen Ursachen und den schwerwiegenden Folgen der Blutvergiftung können Impfungen schützen.

Blutvergiftungen sind die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Oft entstehen sie infolge schwerer Erkrankungen. Es gibt jedoch auch seltene Auslöser, die jeden treffen können, beispielsweise Meningokokken- Bakterien. Die 21-jährige Justina ist eine der Betroffenen. Dass sie heute wieder gehen kann, verdankt sie zwei Prothesen. Ihre beiden Unterschenkel mussten in Folge einer Meningokokken-Sepsis 2017 amputiert werden. Und doch hatte Justina Glück im Unglück, denn sie hat die schwere Erkrankung überlebt.

Babys und Kleinkinder besonders oft betroffen

Besonders häufig von Meningokokken-Erkrankungen betroffen sind Babys und Kleinkinder. Mittlerweile gibt es bereits seit einigen Jahren Impfungen, mit denen Eltern ihre Kinder bestmöglich schützen können. Eine aktuelle Studie zeigt jedoch, dass viele Eltern den Impfstatus ihrer eigenen Kinder nicht genau kennen. Einem Großteil ist außerdem nicht bewusst, dass es verschiedene Meningokokken-Typen gibt.

Meningokokken B sind mit ca. 60 Prozent für die meisten Fälle in Deutschland verantwortlich – gefolgt von Y und C.4 Von der Ständigen Impfkommission (STIKO) wird aktuell nur die Meningokokken-C-Impfung allgemein empfohlen. Diese Impfung allein schützt jedoch nicht vor den anderen Typen. Impfungen gegen diese Typen müssen meist beim Arzt angefragt werden. Gegen Meningokokken B kann schon ab dem zweiten Lebensmonat geimpft werden.

Außerdem gibt es einen Kombinationsimpfstoff gegen Meningokokken A, C, W und Y. Dieser wird vor allem bei Reisen in Risikogebiete empfohlen. Somit können Kinder vor den häufigsten Meningokokken-Typen in Deutschland bestmöglich geschützt werden.

Eltern sollten ihren Kinder- und Jugendarzt frühzeitig auf die Schutzimpfungen ansprechen und sich vorab informieren. Zum Beispiel unter www.meningitis- bewegt.de.

Meningokokken sind zudem und vor allem auch Auslöser einer gefährlichen Form der Hirnhautentzündung. Sie kann sich unbehandelt innerhalb weniger Stunden so ausbreiten, dass sie lebensgefährlich wird und schwere Spätschäden hinterlässt.

Schilddrüse Presse

Kranke Schilddrüse kann unfruchtbar machen

Eine Schilddrüsenfunktionsstörung kann die Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch sein. Meist handelt es sich um eine Schilddrüsen-Unterfunktion, die wenig oder keine Beschwerden macht. So findet sich unter Frauen mit einer Schilddrüsen-Unterfunktion ein Anteil von bis zu 60 Prozent, die ihre Monatsblutung nur unregelmäßig bekommen. „Davon sind wiederum etwa dreizehn Prozent unfruchtbar“, sagt Professor Matthias Schmidt, Nuklearmediziner an der Universität Köln.

Um festzustellen, ob eine Schilddrüsenstörung vorliegt, bietet sich zunächst ein einfacher Bluttest an. Gemessen wird dabei die Konzentration eines bestimmten Hormons (TSH) im Blut. Ein erhöhter TSH-Wert weist auf eine Unterfunktion hin. Grundsätzlich gilt: Ein niedriger TSH-Wert erhöht die Chancen auf eine Schwangerschaft.

Tabletten können helfen

Erste Ansprechpartner für einen TSH-Test sind Hausarzt oder Gynäkologin. „Liegen die Werte bei bestehendem Kinderwunsch zu hoch, helfen Levothyroxin-Tabletten. Sie steigern die Erfolgschancen für eine Schwangerschaft“, erklärt Matthias Schmidt. Die genauen Zusammenhänge sind noch nicht erforscht. „Man nimmt an, dass der TSH-Wert einen Einfluss auf den Vorgang des Einnistens des Embryos in die Gebärmutter hat. Andockstellen für TSH sind in der Gebärmutterschleimhaut vorhanden, und man fand die meisten Andockstellen in der Einnistungsphase“, so Schmidt.

Neben einer Schilddrüsen-Fehlfunktion sollte im Fall einer ausbleibenden Schwangerschaft anfänglich auch gleich abgeklärt werden, ob bei der Patientin ein sogenanntes polyzystisches Ovar-Syndrom (PCOS) vorliegt. „Darunter leiden nach Schätzungen vier bis zwölf Prozent der gebärfähigen Frauen in Deutschland“, erläutert die Hormonspezialistin und Privatdozentin Dr. Beate Quadbeck. aus Düsseldorf. Betroffene haben ihre Regelblutung selten, oft auch starken Haarwuchs an Brust, Rücken, Beinen oder Oberlippe, einen Überschuss an männlichen Hormonen und meistens kleine wassergefüllte Bläschen an den Eierstöcken, die auch als Zysten bezeichnet werden und im Ultraschall sichtbar sind.

„Schilddrüsen-Probleme und PCOS sind sehr häufige Ursachen für ungewollte Kinderlosigkeit und relativ einfach zu diagnostizieren“, so Quadbeck. „In Deutschland sollte keine Frau wegen einer leicht zu behandelnden Schilddrüsen-Unterfunktion auf eine Schwangerschaft verzichten müssen“, ergänzt Schmidt.

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Ein Gel gegen Unterzucker beim Baby

Neugeborene, die von Müttern mit Schwangerschaftsdiabetes zur Welt gebracht werden, haben häufig einen zu niedrigen Blutzucker. Stabilisiert frühes Füttern den kindlichen Blutzuckerspiegel nicht, sollte nach der Arzt nach Auskunft der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) zusätzlich ein Dextrose-Gel geben. Denn das Gel, das in die Wangenschleimhaut des Säuglings gerieben wird, kann einer Studie zufolge vor gefährlicher Unterzuckerung schützen. Schwangere mit Diabetes sollten sich frühzeitig über die Gel-Behandlung informieren und in einem Krankenhaus entbinden, das über Spezialabteilungen für Frühgeborene verfügt.

Zucker in Form von Glukose ist der wichtigste Kraftstoff für das Gehirn. Neugeborene benötigen in den ersten Lebenstagen fast ihre gesamten Glukosevorräte für das Gehirn, das auf regelmäßigen Nachschub angewiesen ist. „Jede Unterzuckerung kann Schäden hinterlassen und die spätere Entwicklung des Kindes behindern“, sagt Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel, DDG-Präsident und Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin – Gastroenterologie, Diabetologie und Ernährungsmedizin am St. Josefskrankenhaus Heidelberg GmbH. Bei allen Neugeborenen wird deshalb nach der Geburt der Blutzucker kontrolliert.

Frühgeborene häufiger betroffen

Eine Unterzuckerung ist keineswegs selten. „Bis zu 15 Prozent aller Neugeborenen haben vorübergehend eine Hypoglykämie“, sagt Siegel. Betroffen sind häufig Frühgeborene sowie Kinder von Müttern mit Schwangerschaftsdiabetes – in Deutschland tritt bei vier Prozent der Schwangeren ein solcher Gestationsdiabetes auf. Den Neugeborenen ist die Hypoglykämie, die meist in den ersten sechs Lebensstunden auftritt, nicht immer anzusehen. Die Anzeichen können sehr unterschiedlich sein: Manche Kinder sind extrem gereizt und schreien, andere wirken lethargisch. In schweren Fällen kann es zu Krampfanfällen oder Atemaussetzern kommen.

Babies von Müttern mit Diabetes sollten daher dreißig Minuten nach der Geburt gestillt oder gefüttert werden, um die Gefahr einer Unterzuckerung von vornherein abzuwenden. „Die frühe Nahrungsaufnahme ist eine sehr effektive Vorbeugemaßnahme“, betont Siegel. Zwei Stunden später sollte der Arzt den Blutzucker des Neugeborenen auf nüchternem Magen bestimmen, gefolgt von weiteren Messungen im Alter von sechs und zwölf Stunden sowie flankiert von regelmäßigen Fütterungen. Bessert sich der Blutzuckerspiegel trotz Frühfütterung nicht, kann ein Dextrose-Gel hilfreich sein.

AOK Presse

Schrei-Babys niemals schütteln

Wenn Eltern für einen kurzen Moment ihr schreiendes Baby schütteln, können sie ihm schwere Schäden zufügen, die zu körperlicher und geistiger Behinderung führen können. Zehn bis 30 Prozent der Kinder sterben sogar an den Folgen eines Schütteltraumas. Wie hoch der Aufklärungsbedarf in der Bevölkerung zum Schütteltrauma ist, zeigt eine Repräsentativbefragung des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH). Nur 79 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass man Babys niemals schütteln darf. Rund 20 Prozent der Befragten meinen irrtümlicherweise, dass Schütteln einem Baby nicht schade.

Das Nationale Zentrum Frühe Hilfen hat es sich zusammen mit dem „Bündnis gegen Schütteltrauma” zur Aufgabe gemacht, über die Folgen des Schüttelns aufzuklären. Leider kommt es immer wieder vor, dass Babys durch Schütteln schwer verletzt werden. Deshalb ist Aufklärung für Eltern notwendig. Sie müssen wissen, wo sie Hilfe bekommen. Eltern dürfen in schwierigen Situationen nicht alleine gelassen werden.

Babys schreien nicht, um ihre Eltern zu ärgern

Das Wissen über frühkindliche Schreiphasen, die als Hauptauslöser für das Schütteln von Säuglingen gelten, ist in der Bevölkerung gering. Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), berichtet: „Zwei Drittel der Befragten sind nicht darüber informiert, dass es intensive Schreiphasen im Säuglingsalter geben kann. 18 Prozent der Befragten glauben sogar, dass Babys manchmal nur schreien, um zu ärgern. Deshalb ist es wichtig, dass Eltern von Babys, die viel schreien, gut informiert sind und wissen, wo sie rechtzeitig Unterstützung finden können. Einen Flyer und einen Aufklärungsfilm zum Schütteltrauma sowie Adressen von Beratungsstellen finden Betroffene unter: www.elternsein.info.

Die wichtigste Regel für genervte Eltern lautet: gelassen bleiben. Denn Stress und Unruhe übertragen sich auf das Kind. Das bedeutet auch, äußere Unruhe im Alltag möglichst zu vermeiden. Dazu gehören beispielsweise wenig Besuche, wenig Fernsehen, keine aufregenden Unternehmungen und ein fester Tagesablauf. Ein Beruhigungs-Trick hat sich in Studien als effektiv erwiesen: Das Kind mehr herumtragen – und zwar dann, wenn es ruhig ist.

 

Blutzucker Archiv

Diabetes in der Schwangerschaft

Jährlich entwickeln über 40000 Schwangere einen Diabetes. Damit zählt dieser so genannte Gestationsdiabetes (GDM) zu den häufigsten Komplikationen in der Schwangerschaft. Nicht oder ungenügend therapiert, drohen Mutter und Kind schwere Gesundheitsschäden. Wesentlich für die Therapie ist die regelmäßige Überprüfung der Blutzuckerwerte bei der Mutter. Doch bekommen die Patientinnen Blutzuckermessgeräte noch immer nicht von ihren Kassen erstattet. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) fordert daher, Blutzucker-Messgeräte samt Teststreifen auch für Schwangere mit Gestationsdiabetes in den Hilfsmittelkatalog aufzunehmen.

„Patientinnen mit Gestationsdiabetes sind eine sehr sensible Patientenklientel“, erklärt DDG-Präsident Professor Dr. med. Dirk Müller-Wieland. „Von einer optimalen Blutzuckereinstellung der Mutter hängt nicht nur die Gesundheit des ungeborenen Kindes maßgeblich ab. Auch mögliche schwere Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen sowie ein späterer Typ-2-Diabetes der Mutter können sich aus einer schlechten Blutzuckereinstellung heraus entwickeln.“ Daher fordert die DDG den Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen dazu auf, Blutzuckermessgeräte für solche Patientinnen erstattungspflichtig zu machen, sodass jede Betroffene ihren Blutzuckerstoffwechsel regelmäßig ohne eigene Kostenbeteiligung kontrollieren kann.

Bedrohliche Folgen für die Gesundheit

Patientinnen mit Gestationsdiabetes und ihren ungeborenen Kindern drohen während, aber auch nach der Schwangerschaft enorme Gesundheitsrisiken. So haben Frauen mit GDM ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Ödeme, Nierenerkrankungen, Depressionen während und nach der Schwangerschaft, Herz-Kreislauferkrankungen und chronische Harnwegsinfektionen. Schließlich steigt auch die Gefahr für einen erneuten Gestationsdiabetes bei darauffolgenden Schwangerschaften sowie für einen Typ-2-Diabetes innerhalb der nächsten zehn Jahre.

Für das Kind ergeben sich folgende Gesundheitsrisiken: Frühgeburt mit Verlegung in die Kinderklinik, ein stark erhöhtes Geburtsgewicht, das oft einen Kaiserschnitt oder Geburtsverletzungen von Mutter und Kind bei vaginaler Geburt zur Folge hat und schließlich ein erhöhtes Risiko für einen Typ-2-Diabetes sowie Übergewicht. „Durch eintretende schwere Komplikationen und mögliche Folgeschäden bei der Mutter und ihrem Kind wird das Gesundheitssystem weitaus mehr belastet als durch eine Erstattung des Messgerätes mit entsprechenden Teststreifen“, ergänzt Müller-Wieland.

Nicht immer muss mit Insulin behandelt werden. Eine Ernährungsumstellung genügt manchmal, um die Blutzuckerwerte von Schwangeren wieder zu senken. Der Arzt muss dies jedoch lückenlos überwachen.