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4. September 2023

Selbstständig essen lernen

Ein großer Schritt, der Übung braucht: Selbstständig mit dem Löffel zu essen ist ein Lernprozess für die Kleinen, den du selbst aktiv unterstützen kannst. So begleitest du dein Baby auf dem spannenden Weg und hilfst ihm selbstständig essen zu lernen.

Kaum hat das Kind den Löffel in der Hand, wird damit gespielt, bis er irgendwann (mit oder ohne Essen) durch die Küche fliegt. Das kann die Geduld der Eltern auf die Probe stellen und wirklich Nerven kosten. Gleichzeitig ist es wunderbar zu erleben, wie Babys immer selbstständiger werden und lernen. Das Erkunden der Umwelt gehört dabei dazu, und wie so oft ist auch beim selbstständigen Essen noch kein kleiner Meister und keine kleine Meisterin vom Himmel gefallen. Wenn das Baby das erste Mal den Löffel selbst in die Hand nimmt, ist er ein völlig neuer Gegenstand.

Übung macht den Meister

Klar hat dein Kind zu diesem Zeitpunkt noch nicht verstanden, was es denn genau mit diesem neuen Ding in seinen Händchen machen soll und wie das Essen ohne herunterzufallen in den Mund gelangt. Nimm dir für die ersten Versuche immer Zeit und sorge zunächst für eine entspannte Atmosphäre. Das eigenständige Essen mit dem Löffel kann nicht erzwungen werden, und Druck führt zu Stress und nicht zu entspanntem Lernen. Versuche, dich in die Situation deines Kindes zu versetzen und die Welt aus seinen Augen zu sehen. 

Kluge Beobachter

Kinder lernen nicht nur durch Ausprobieren und „Fehler“, sondern auch durch Beobachten. Die Eltern sind also besondere Vorbilder und werden diesbezüglich auch immer wieder genauestens beäugt. Gemeinsame Mahlzeiten sind wichtig. Selbst wenn dein Kind noch nicht mitisst, kann es an Mahlzeiten im Hochstuhl teilhaben. Es nimmt dabei die Atmosphäre genauestens wahr, weshalb auch eine positive Stimmung und Ruhe statt Stress herrschen sollten. Handys, Tablets, der Fernseher oder andere Ablenkungen haben dann Sendepause. Zudem geht es nicht darum, das Kind einfach nur irgendwie zwischendurch dazu zu bringen, etwas zu essen, sondern eine Routine einzuführen. Diese gibt Sicherheit und deinem Baby einen Rahmen, in dem es gut lernen kann. Auch Geschwister oder andere Familienmitglieder können die Jüngsten unterstützen, indem sie sich an Tischregeln halten und gute Vorbilder sind. Erkläre den Geschwistern, warum das so wichtig ist, und behalte dabei immer einen offenen Dialog bei. So kann die ganze Familie an einem Strang ziehen. Eine gewisse liebevolle Konsequenz ist wichtig, die aber nicht mit dem eben genannten Druck zu verwechseln ist. Das gilt auch in Sachen Lob. Hier ist es deine Aufgabe, aufmerksam zu bleiben. Nimmt dein Kind zum Beispiel den Löffel in die Hand und probiert aus, damit zu essen, dann lobe es dafür und bestätige es. Achte dabei auch auf deine eigene Mimik und Gestik. Dein Baby wird ein Lächeln wahrnehmen und genau unterscheiden können, ob du lachst oder enttäuscht guckst. Wenn Fehler geschehen, nimm diese auf die leichte Schulter und behalte deine positive Einstellung bei.

Augen auf dein Kind

Das Kind sitzt im Hochstuhl, hat einen Teller vor sich und den Löffel in der Hand, und die Eltern räumen nebenbei die Küche auf. Das bringt Unruhe in die Situation. Widme deinem Baby also deine Aufmerksamkeit. Dass mal etwas danebengeht und der Boden dreckig wird, lässt sich nicht vermeiden, schließlich ist der Umgang mit Besteck nicht so leicht. Auch wenn du die Hand mit dem Löffel deines Kindes gerne mit deiner Hand führen möchtest, solltest du dich hier zurückhalten. Der Lernprozess ist nachhaltiger, wenn die Kleinen selbst ausprobieren dürfen. Schmeckt das Essen nicht, dann wird auch das Lernen schwerer fallen. Wähle daher eine Mahlzeit, die dein Kind gerne mag. Es sollte selbst entspannt und zum Beispiel nicht sehr müde oder weinerlich sein. Ebenso sind sehr hungrige Kinder häufig eher ungeduldig. Daher spielt der richtige Zeitpunkt auch eine Rolle.

Neues ausprobieren

Früher hieß es oft: „Gegessen wird, was auf den Tisch kommt.“ Da waren Machtkämpfe um das Essen keine Seltenheit, und so manche Eltern waren der Meinung, ihr Kind müsse stets alles aufessen. Das ist längst nicht mehr zeitgemäß. Ob etwas wirklich schmeckt, entscheidet ein Kind übrigens in der Regel nicht beim ersten Mal, sondern erst nach acht- bis zehnmaligem Probieren. Daher kannst du dein Baby durchaus immer wieder motivieren, etwas Neues zu kosten. Wähle einen Löffel aus Plastik, den dein Kind gut greifen kann und gerne in der Hand hält. Er sollte außerdem so schmal und flach sein, dass er gut in den kleinen Mund passt. Metalllöffel sind nicht nur schwer, sondern auch kalt und nicht so angenehm festzuhalten. Isst es dennoch immer mal wieder mit den Fingern, dann ärgere dich nicht, sondern animiere es weiter dazu, den Löffel zu benutzen, und denke wieder an Geduld als wichtigen Faktor. Du wirst merken, dass dein Kind mit der Zeit von ganz allein selbstständiger werden möchte. 

10 Tipps: So lernt dein Kind, selbstständig zu essen

1. Der passende Zeitpunkt: Dein Kind sollte nicht müde, unruhig oder zu hungrig sein, wenn es anfängt, mit dem Löffel essen zu lernen.

2. Die Atmosphäre: Sorge für eine ruhige, entspannte Atmosphäre. Bleibe mit der Aufmerksamkeit bei deinem Kind und mache nicht noch irgendetwas anderes nebenbei. Handy, Fernseher und Co. haben Sendepause. Ebenso sollte am Tisch nicht diskutiert oder gestritten werden.

3. Das mag ich gerne: Wähle Lebensmittel, die dein Kind gerne mag. An seinem Gesichtsausdruck wirst du erkennen, ob es Spaß am Essen hat oder nicht.

4. Schaffe Rituale: Lernen geschieht durch Wiederholungen und Rituale, wie regelmäßige Essenszeiten. Diese helfen Kindern ebenso wie die Wahl des gleichen Platzes, des gleichen Tellers sowie des gleichen Löffels. Schon kleine Veränderungen können Kinder gerade in der Anfangszeit verunsichern.

5. Der passt zu mir: Suche einen Löffel aus, den dein Kind gut greifen und in der Hand halten kann. Er sollte aus Plastik und nicht aus Metall sein. Achte darauf, dass er schmal und flach genug ist, um in den Mund zu passen. Manche Kinder stecken den Löffel anfangs auch gern quer in den Mund.

6. Der rutscht nicht: Es ist hilfreich, wenn der Teller beim Essen fest auf dem Tischchen steht und nicht hin- und her rutscht (zum Beispiel durch Gumminoppen), damit dein Baby leichter löffeln kann. Ein Teller mit steilem, hochgezogenem Rand verhindert, dass das Essen vom Teller geschoben wird.

7. Das begreife ich: Für Kinder ist es normal, genau fühlen zu wollen, was sie in den Mund nehmen. Daher kann es sein, dass dein Kind immer mal wieder die Hände benutzen möchte und damit isst oder den Brei auf den Löffel befördert. Kinder können erst dann mit dem Löffel essen, wenn es motorisch dazu in der Lage ist. Und das kann dauern. Wenn der Brei nicht im Mund, sondern auf dem Boden oder auf dem Schoß landet, können Lätzchen mit einer „Auffangschale“ helfen.

8. Es kommt nicht auf die Menge an: Jedes Kind hat seine Geschwindigkeit beim Essen, die sich je nach Tagesverfassung sowie im Laufe des Älterwerdens ändern kann. Das Essen sollte einen klaren Anfang und auch ein Ende haben. Allerdings muss dein Kind den Teller nicht leer essen. Achte auf Hunger- und Sättigungssignale. Essen darf nicht zum Zwang werden. 

9. Lieber nachlegen: Du musst den Teller deines Kindes am Anfang nicht voll machen, sondern kannst durchaus auch einfach nachlegen. 

10. Lob, aber keine Leistung: Motiviere und ermuntere dein Kind zum Essen und lobe es, wenn es etwas richtig macht. Behalte aber im Hinterkopf, dass Essen keine Leistung sein soll. Es kann helfen, wenn du selbst auch von deinem Teller isst und den Blickkontakt zu deinem Kind suchst.

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