Bild: Stephan Hollstein

13. Oktober 2023

Karriere trotz Kindern – so gehts!

Angela Hollstein greift in ihrem Amazon-Bestseller „Mutter sein – aber glücklich: Mit Resilienz und Selbstliebe gegen den Alltagsstress“ auf ihre eigenen Herausforderungen als berufstätige Mutter, von drei, inzwischen erwachsenen Kindern, zurück. Jazumbaby hat sie verraten, wie Karriere trotz Kindern funktionieren kann. 

JZB: An welche Mütter richtet sich Ihr Buch?

A. Hollstein: Mein Buch richtet sich insbesondere an junge berufstätige Mütter. Gerade wenn die Kinder noch sehr jung sind, gehen eigene Bedürfnisse häufig zwischen den Ansprüchen von Beruf und Familie verloren. Frauen übernehmen einerseits die Rolle der Familienmanagerin, andererseits wollen sie eine vollwertige Angestellte in ihrem Beruf sein. Mein Buch will diesen Mütter Möglichkeiten aufzeigen, sich wieder selbstbestimmt zu erleben und Zeiten für eigene Bedürfnisse zu schaffen.

JZB: Was können Frauen selbst für ein glückliches Leben als berufstätige Mutter tun?

A. Hollstein: Frauen sollten sich erst einmal bewusst machen, was ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche sind. Dieser erste Schritt ist wichtig, damit sie nicht Ansprüche des Partners oder des Umfelds als eigene annehmen. Wenn mir die eigene Unabhängigkeit zum Beispiel immer wichtig war, bin ich vielleicht in meinem Rollenspagat zwischen Familie, Beruf, Partnerschaft und eigenen Wünschen sehr unglücklich. Dann kann ich den Schwerpunkt der Veränderung in der Schaffung von Freiräumen legen. Wer kann mich entlasten, wie kann ich mir einen freien Tag pro Woche für mich schaffen?

JZB: Wie können Familie und Freunde dazu beitragen, dass sich Beruf und Familie für Frauen nicht widersprechen?

A. Hollstein: Erst einmal sollte es selbstverständlich sein, dass auch eine Schwangere und junge Mutter noch über diese Rolle hinaus eine eigenständige Person ist. Wir erleben es leider häufig, dass ab Beginn der Schwangerschaft unser Handeln von Familie und Freunden bewertet wird. Frauen brauchen in dieser Lebensphase aber die gleiche Wertschätzung wie sonst auch. Es sollte selbstverständlich sein, dass die Care-Arbeit in der Familie zwischen den Partnern gemeinsam ausgehandelt und gerecht verteilt wird. Darüber hinaus können Familie und Freunde ihre konkrete Unterstützung anbieten. Einfach anfragen und wertschätzen: Ich habe großen Respekt vor Deiner Leistung als berufstätige Mutter, wie kann ich Dich unterstützen, damit Du auch mal Zeit für Dich hast?

JZB: Welche Zweifel und Ängste von Müttern sind in dieser Hinsicht normal?

A. Hollstein: Die Zweifel den einzelnen Rollen nicht gerecht zu werden. Im Beruf haben wir insbesondere als Teilzeitkraft das Gefühl nicht als vollwertige Mitarbeiterin wahrgenommen zu werden. Andererseits haben wir ein schlechtes Gewissen, wenn wir ein krankes Kind an eine Betreuungsperson übergeben oder an Veranstaltungen der Kinder nicht teilnehmen können. Dazu kommt noch der gesellschaftliche Druck, allem gerecht werden zu müssen. In den sozialen Medien sehen wir berufstätige Mütter, die das alles anscheinend mit Leichtigkeit schaffen.

JZB: Was empfehlen sie Müttern, die gerne arbeiten gehen wollen, aber ein schlechtes Gewissen haben, ihre Kinder abzugeben?

A. Hollstein: Dieses schlechte Gewissen haben viele berufstätige Mütter, nicht umsonst gibt es den Begriff der „Rabenmutter“ nur in Deutschland. Wenn wir einen Blick in andere Länder z.B. Frankreich werfen, ist es dort normal, dass Kinder sehr früh in die Kinderkrippe gehen. Der Blick über den Tellerrand hilft bei der Reflektion, ob es wirklich mein eigenes schlechtes Gewissen ist oder ob ich nur die Ansprüche der Gesellschaft übernommen habe. Für das Kind ist nicht die Dauer des Kontaktes zu den Beziehungspersonen maßgeblich, sondern die Qualität. 

JZB: Wann sollten Mütter sich Hilfe holen? Sei es von einem Babysitter oder von einem Therapeuten

A. Hollstein: Die Unterstützung von Babysittern, ob aus dem sozialen Umfeld oder als bezahlte Hilfe, sollte eigentlich selbstverständlich für alle Mütter sein. Hilfe durch einen Coach kann sich jede Mutter holen, die mit der eigenen Situation unzufrieden ist. Dabei hilft das Coaching dabei über den Tellerrand zu schauen und hinterfragt bisherige Verhaltensmuster. Therapeutische Hilfe ist angesagt, wenn Frauen schon starke Einschränkungen in ihrem Alltag bemerken, wie Depressionen oder Angststörungen. Dann sollten sie zeitnah ihren Arzt aufsuchen und sich Hilfe suchen.

JZB: Was gibt es für Möglichkeiten sich Hilfe zu holen?

A. Hollstein: Es gibt zum Glück viele gute Beratungsangebote, die zum Teil auch kostenfrei sind. Die Angebote der Frühen Hilfen unterstützen insbesondere Schwangere und Familien mit kleinen Kindern. Die Fachkräfte unterstützen Familien mit Haushaltshilfen, Entlastung durch Ehrenamtliche, Wissen über Netzwerke und regionale Angebote. In größeren Gemeinden gibt es psychologische Beratungsstellen von denen es auch ein gutes online-Angebot (bke.de) gibt. Dann gibt es natürlich die Möglichkeit von kostenpflichtigem Coaching, das auch online möglich ist und damit örtlich und zeitlich flexibel auf die Bedürfnisse der Mütter eingehen kann.

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