Tag : Schwangerschaft

Parents lie on the couch and father read a book to child. Pregnant woman with her husband

Diabetes und Schwangerschaft

Diabetes ist eine Krankheit, die im Alltag allgegenwärtig ist. Sie spielt auch bei der Gründung einer Familie eine Rolle. Von der Zuckerkrankheit betroffene Frauen sollten möglichst „geplant“ schwanger werden, denn eine gute Vorbereitung kann gesundheitliche Risiken für Mutter und Kind verringern. Eines vorweg: Ein Diabetes muss nicht unbedingt ein Hindernis sein, gesunde Kinder zu bekommen. Dennoch sind langfristig gut eingestellte Glukosewerte essenziell, um die Gesundheit für Mutter und Kind während der Schwangerschaft und Geburt erhalten zu können und Risiken für Mutter und Kind durch den Diabetes zu minimieren.

 Was beim Diabetesmanagement helfen kann

Wenn ein kleiner Mensch im Bauch heranwächst, ist das mit sehr vielen Gefühlen verbunden: Aufregung, Vorfreude, aber auch Ungewissheit und Sorgen um das Ungeborene und die kommende Zeit – in Kopf und Körper ist so viel los. Das alles kann sich bei einem Diabetes auch auf die Zuckerwerte auswirken. Schwangere müssen deswegen besonders engmaschig von ihrem Arzt betreut werden und deutlich öfter einen Blick auf ihre Werte haben als sonst. Systeme zur kontinuierlichen Gewebeglukosemessung in Echtzeit (rtCGM) sind dabei hilfreich. Untersuchungen zeigen, dass ein sogenanntes rtCGM-System die Zeit im gewünschten Glukose-Zielbereich verlängert und somit Risiken minimiert. Das System darf auch während der Schwangerschaft eingesetzt werden. Zudem besteht die Erlaubnis, dass der Sensor nicht nur am Bauch, sondern auch an der Oberarm-Rückseite getragen werden darf. Für werdende Mütter deutlich bequemer.

Ärzte sollen Frauen mit Typ-1-Diabetes, die bereits schwanger sind oder ein Baby planen, ein rtCGM-System anbieten. Denn optimierte Glukosewerte vor und während der Schwangerschaft reduzieren das Risiko, dass es zu Komplikationen bei der Schwangeren und ihrem ungeborenen Kind kommt. Außerdem wird den Frauen geraten, möglichst schon vor der Schwangerschaft Folsäure einzunehmen.

TIPP: Auch bei Diabetes Typ 2 ist die Verordnung eines rtCGM-Systems möglich,

Quelle: Dexcom G6 rtCGM

Schwangerschaftsvorsorge

Schwangerschaftsvorsorge

Vor Ihnen liegen 40 aufregende Wochen mit unvergleichlichen Erfahrungen und Erlebnissen. Genießen Sie die Zeit zu zweit. Wir zeigen Ihnen, was neben der Schwangerschaftsvorsorge wichtig ist,wie Sie am besten mit den großen Veränderungen umgehen und im Gleichgewicht mit sich selbst bleiben

Gibt es etwas Natürlicheres als eine Schwangerschaft? Sie gehört zu den normalsten und am stärksten perfektionierten Vorgängen im Leben überhaupt. Diese Tatsache sollte werdenden Müttern, die unsicher sind, ob sie den Herausforderungen und Belastungen überhaupt gewachsen sind, einige Sicherheit geben. Viele Prozesse, die für die Entwicklung des Babys wichtig sind, laufen automatisch ab. Und das ist auch gut so, denn in den ersten Wochen einer bestehenden Schwangerschaft wissen viele Frauen noch gar nicht, dass ein neues Leben in ihrem Körper heranwächst.

So gehört es zu den großen Wundern des Lebens, dass sich der weibliche Körper innerhalb kürzester Zeit auf die neuen Bedingungen einstellt. Für den Körper der werdenden Mama bedeutet eine Schwangerschaft Schwerstarbeit. Sie muss schließlich 40 Wochen lang Nahrung fürs wachsende Baby heranschaffen und über ihren Blutkreislauf zwei Menschenleben in Gang halten. Aber keine Angst: Der weibliche Körper ist optimal auf diese Aufgabe vorbereitet, auch wenn Schwangere anfangs häufig an Übelkeit leiden, der Kreislauf in den Keller wandert und der wachsende Bauchumfang schmerzhaft aufs Kreuz drückt. Seien Sie zuversichtlich und gehen Sie die Veränderungen mit Optimismus und Vertrauen an!

Schwangerschaftsvorsorge schafft Sicherheit

Schwangerschaften verlaufen im Allgemeinen ohne größere gesundheitliche Probleme. Aber es gibt sie, die Ausnahmen von der Regel. Nicht alle Schwangerschaften verlaufen reibungslos, und nicht alle Babys sind so gesund, wie die werdenden Eltern sich das wünschen. Dank der intensiven Betreuung durch Frauenärzte und Frauenärztinnen können Frauen heute aber so sicher wie noch nie sein, dass ihr Baby gesund auf die Welt kommt. Dazu hat das engmaschige Vorsorgesystem beigetragen, dass es dem Frauenarzt bzw. der Frauenärztin ermöglicht, die Schwangere intensiv zu begleiten und die Entwicklung des Babys zu beobachten. Regelmäßige Schwangerschaftsvorsorge ist die beste Garantie dafür, dass bestehende Risiken und Komplikationen rechtzeitig erkannt und erfolgreich behandelt werden können. Schwangere sollten die vorgesehenen Termine beim Frauenarzt deshalb unbedingt wahrnehmen. Sie finden anfangs alle vier Wochen, aber ab der 32. Schwangerschaftswoche alle 14 Tage statt. Ab der 38. Schwangerschaftswoche eventuell jede Woche. Zu den frauenärztlichen Leistungen gehören eingehende Blutuntersuchungen, die Überwachung des Blutdrucks sowie die Kontrolle von Babys Entwicklung per Ultraschall. Wenn erforderlich, kann eine werdende Mutter auch die weitergehende pränatale Diagnostik in Anspruch nehmen.

Basis für eine gute Elternschaft legen

Noch sind Sie zu zweit, aber bald werden Sie eine kleine Familie sein. Mit allen Veränderungen, die das auch für die Partnerschaft mit sich bringen wird. Ihr Partner freut sich genauso wie Sie selbst auf das Baby? Das ist die ideale Voraussetzung für den neuen Lebensabschnitt. Eine funktionierende Kommunikation ist in jedem Fall die beste Voraussetzung für das Gelingen. Sprechen Sie beide offen und ehrlich über die Gefühle und Empfindungen, die Sie jetzt bewegen. Ihr Leben wird sich grundlegend ändern – da ist es nur natürlich, dass sich bei aller Freude aufs Baby auch Ängste und Befürchtungen in das Denken einschleichen. Beziehen Sie den Partner in Ihre Empfindungen ein und nehmen Sie auch seine Gefühle ernst. Je früher Sie mögliche Problemfelder ansprechen, desto geringer die Gefahr, dass sie sich nach der Geburt zur Belastung für die Beziehung entwickeln. Das gilt natürlich erst recht, wenn Ihre eigene Vorfreude aufs Baby die deswerdenden Vaters deutlich übersteigt. Dann ist Kommunikation wirklich das Allerwichtigste überhaupt, damit sich keine unheilbaren Risse in der Beziehung entwickeln. Ansonsten aber gilt: Genießen Sie die Zeit zu zweit und tun Sie alles, was Ihnen beiden Spaß macht.

Bleiben Sie aktiv

Sportliche Frauen verkraften die Strapazen und Belastungen von Schwangerschaft und Geburt besser als untrainierte Frauen. Schwangere sollten sich aber auch nicht überfordern. Wichtig ist, dass Sie nicht zu sehr ins Schwitzen geraten und Ihr Kreislauf nur maßvoll belastet wird. Spaziergänge erfordern keinen Kraftaufwand und tun doch einfach gut. Die frische Luft macht auch müde Geister munter. Wenn Sie dabei bewusst tief ein- und ausatmen, werden Sie und Ihr Baby optimal mit Sauerstoff versorgt. Schwimmen ist für Schwangere eine wahre Wohltat. Im warmen Wasser spüren sie ihr Gewicht nicht mehr, man fühlt sich frei und unbeschwert. Beim Schwimmen mit anderen schwangeren Frauen wird zudem die Körperakzeptanz gestärkt. Auch typische Beschwerden bei der Schwangerschaft werden im Wasser gemildert, Wassereinlagerungen im Körper reguliert. Das Gewebe wird geschmeidiger und dehnbarer. Walken oder Rad fahren trainieren das Herz und verbessern die Vitalität. Mutter und Kind profitieren davon, dass der Körper besser durchblutet wird.

Nehmen Sie Hilfe an!

Für Frauen, die schon Kinder haben, kann eine erneute Schwangerschaft erheblichen Druck bedeuten. Die Arbeit im Haushalt, die Betreuung der Kinder und vielleicht noch halbtags berufstätig sein – das schafft niemand mit links. Nehmen Sie deshalb jede Unterstützung wahr, die der Partner, die Familie oder Freunde geben können. Wenn Sie während der Schwangerschaft krank werden sollten, haben Sie Anspruch auf eine durch die Krankenkasse finanzierte Haushaltshilfe.

Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen!

Frauen, die an Stress und Höchstleistung gewohnt sind, fällt es oft schwer, einen Gang zurückzuschalten. Aber in Ihrem eigenen und im Interesse ihres Kindes sollten Sie jeden Perfektionismus zurückstellen. Dauerhafter Druck sorgt für ein Gefühl der Überforderung und macht am Ende krank. Lassen Sie sich also nicht unter Druck setzen. Trauen Sie sich, auch mal konsequent Nein zu sagen, wenn Sie sich von einer Aufgabe überfordert fühlen. Druck entsteht übrigens auch, weil viele Schwangere ihre Freizeit mit besonders viel Aktivitäten anfüllen möchten. Wer weiß schließlich, wie viel freie Zeit nach der Geburt des Babys noch bleibt? Nehmen Sie sich das Recht, auch in dieser Hinsicht einen Gang runter zuschalten. Denn auch Freizeitstress ist Stress. Gönnen Sie sich ganz bewusste Aus-Zeiten und entspannen Sie sich!

Nehmen Sie Ihre Rechte am Arbeitsplatz wahr!

Damit Schwangere durch besonders belastende oder gefährliche Arbeiten nicht krank werden, hat der Gesetzgeber Schutzregeln für den Arbeitsbereich erlassen. Lassen Sie sich beraten und nehmen Sie diese Rechte wahr. Sie dienen Ihrer eigenen Gesundheit und dem Wohlbefinden Ihres Babys. Auch angesichts der angespannten Situation am Arbeitsmarkt sollte es in diesem Punkt keine Kompromisse geben.

Beautiful young couple is smiling while cooking together in kitchen at home

Vorsicht bei diesen Lebensmitteln

Schwangere können vieles risikofrei essn. Nur bei rohen Lebensmitteln sollten sie wegen möglicher Krankheitskeime Verzicht üben.

Allzu viel muss sich beim Speisenplan nicht ändern, wenn eine Frau schwanger ist. Sie kann unbesorgt weitgehend auch das weiter essen, was ihr schon immer geschmeckt hat. Mit einigen Ausnahmen allerdings. Weil Krankheitserregern gerade auch in Lebensmitteln vorkommen und diese dem Ungeborenen schweren Schaden zufügen können, sollte bei der Zubereitung und beim Verzehr bestimmter Nahrungsmittel folgendes beachtet werden. Stichwort Listerien. Diese Bakterien sind weltweit verbreitet und nisten sich gern auch in Lebensmitteln ein. Weil sie hitzeempfindlich sind, lassen sich die Keime durch Kochen, Braten oder Backen leicht abtöten. Genau dies ist wichtig, wenn Schwangere weiterhin ihr Ei, ihre Frikadellen oder ihren Fisch genießen möchten. Denn in rohen tierischen Nahrungsmitteln vermehren sich Listerien besonders häufig.

Infektionsrisiko auch bei abgepackten Salaten

Dazu zählen Rohmilchprodukte, also unverarbeitete Milch und Rohmilchkäse, rohes Fleisch (etwa Mett) und roher Fisch zum Beispiel im Sushi. Auch manche Würste sind tabu, weil sie teilweise oder ganz aus rohem Fleisch produziert wurden. Vorsicht auch bei ferstig abgepackten Salaten. Hier kann es ebenfalls zu Verunreinigungen durch Listerien kommen. Wer Lebensmittel wie Fisch und Fleisch mehrere Minuten lang auf 70 Grad und mehr erhitzt (Kerntemperatur), geht kein Risiko mehr ein. Das macht die Speisen listerienfrei. Gefährlich fürs Ungeborene ist noch ein weiterer Keim, das Taxoplasma. Der Parasit ist Auslöser der sogenannten Taxoplasmose, die bei Ungeborenen zu Fehlbildungen und Totgeburten führen kann. Auch dieser Keim wird unter anderem über rohe Lebensmittel übertragen – und lässt sich leicht wegbruzzeln oder –kochen. Nach wenigen Minuten in der Pfanne oder im Kochtopf ist er abgetötet.

Katzen als Überträger

Die Auslöser der Taxoplasmose finden sich im Übrigen auch bei infizierten Haustieren, vor allem bei Katzen. Schwangere sollten daher die Reinigung der Katzentoilette anderen überlassen, weil sich die Erreger über die Ausscheidungen der Tiere besonders leicht übertragen.

Eisenmangel

Eisenmangel

Etwa jede fünfte Frau leidet im Anschluss an die Geburt unter Eisenmangel. Das kann ernste Auswirkungen haben, die eine rasche Therapie nötig machen

Ein wichtiges Spurenelement, das für die Blutbildung und damit die Sauerstoff- Versorgung unersetzlich ist. Eisen hält fit und vital und sorgt nebenbei auch für seelischen Schwung. Wenn es fehlt, macht sich dieser Mangel schnell bemerkbar. Vor allem in der Zeit nach der Geburt schleicht sich bei vielen jungen Müttern ein gravierender Eisenmangel (Anämie) ein, der oft gar nicht bemerkt wird. Ein Grund dafür ist hoher Blutverlust während der Geburt, den der Körper so leicht nicht ausgleichen kann. Wenn Frauen schon vor der Geburt eher wenig Eisen im Blut hatten, macht sich dieser Mangel umso mehr bemerkbar.

Weiter verbreitet als gedacht

Eisenmangel ist weiter verbreitet als gedacht – was nicht selten mit der Ernährung zusammenhängt. Weil Eisen in größeren Mengen in Fleisch und Wurst vorkommt, sind Vegetarierinnen und Veganerinnen häufiger mit diesem Problem konfrontiert. Frauen mit starker Regelblutung neigen ebenfalls zu chronischem Eisenmangel, der sich dann nach der Geburt umso stärker auswirkt. Bei manchen Menschen kann der Körper das Spurenelemnt überdies nicht richtig aufnehmen. Sie nehmen zwar genügend Eisen zu sich, es wird aber zum großen Teil ungenutzt ausgeschieden.

Welche Folgen hat das für junge Mütter?

Eisenmangel lässt sie möglicherweise schlechter schlafen als sonst, sie fühlen sich sehr schlapp, erholen sich kaum von der Geburt. Auch Herzrasen kann ein Symptom sein, nicht selten kommt auch ein seelisches Ungleichgewicht hinzu. Das drückt sich in Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen aus. Leidet eine junge Mutter unter Wochenbett- Depressionen, sollte der Arzt auf jeden Fall zunächst einen Bluttest veranlassen – um sicherzugehen, dass nicht Eisenmangel die Ursache ist.

Eiseninfusionen wirken am schnellsten

Die Behandlung ist recht einfach. In leichteren Fällen verordnet der Arzt Eisentabletten, die den Eisenwert allmählich wieder auf gesunde Höhen anheben. Sind die Symptome stark, und ist der Eisenwert viel zu niedrig (Hb-Wert unter 8), helfen Eiseninfusionen am besten. Sie heben den Eisenwert sofort deutlich an, so dass sich die junge Mutter auch gleich besser fühlt. Nur in seltenen Fällen, wenn der Eisenwert in einem lebensbedrohlich niedrigen Bereich liegt, werden die Mediziner sogar eine Bluttransfusion in Erwägung ziehen.

Infusionen nur beim Spezialisten

Eiseninfusionen können in selteneren Fällen Nebenwirkungen wie Übelkeit bis hin zu gefährlichen Schockzuständen auslösen. Deshalb verabreichen die meisten niedergelassenen Ärzte solche Infusionen nicht in ihrer Praxis. Junge Mütter, die nicht stationär im Krankenhaus behandelt werden, sollten sich an einen Facharzt wenden. In Deutschland gibt es inzwischen mehr als 50 Zentren, die auf solche Eiseninfusionen spezialisiert sind. Auch so mancher Frauenarzt traut sich diese Therapie zu.

Urvertrauen

Alles wird gut

Je positiver unsere frühkindlichen Bindungserfahrungen sind, umso stärker sind wir im Leben. Deshalb ist es so wichtig, dass Eltern ihrem Baby Urvertrauen und Sicherheit mit auf den Weg geben

Kind sein in diesen Zeiten ist nicht leicht.


Die Kleinen von heute durchlaufen einen anstrengenden Sozialisationsprozess in einer Welt der unbegrenzten Möglichkeiten. Das Leben ist ein wunderbares aber auch nie ganz berechenbares Abenteuer – auf lange Sicht gespickt mit schönen und weniger schönen Spielarten des Schicksals. Wie wird man am besten mit den Stürmen des Lebens fertig?

Der britische Kinderpsychiater John Bowlby hat als erster die Bedeutung der Bindung für unsere seelische und soziale Entwicklung erkannt und die Bindungstheorie formuliert. „Resilienz!“, sagt auch die Psychologin Dr. Doris Wolf aus Mannheim. Das Wort kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Widerstandsfähigkeit. „Um resilient zu werden, brauchen Kinder positive Bindungserfahrungen“, weiß die Expertin. „Unsere frühesten Bindungserfahrungen stellen wichtige Weichen für unser Leben. Eine warmherzige enge und zuverlässige Beziehung zu unseren Eltern oder einer nahen Bezugsperson ist unerlässlich, um ein positives Selbstwertgefühl und ein Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln zu können.“

Ein Gefühl von Sicherheit

Warum gerade unsere frühesten Erfahrungen relevant sind, liegt auf der Hand: In den ersten Lebensmonaten befinden wir uns in einem Zustand vollkommener Abhängigkeit von der Fürsorge anderer Menschen. Die einzige Möglichkeit, auf sich und die eigenen Bedürfnisse aufmerksam zu machen ist zunächst Weinen. Je schneller und liebevoller ein Kind Reaktion hierauf erfährt, umso leichter fällt es ihm, Urvertrauen zu entwickeln: Ein Gefühl von Sicherheit gepaart mit einer von Zuversicht prägt schon jetzt die zukünftige Lebenshaltung: „Es wird sich alles zum Guten wenden.“

Reagieren Eltern nicht oder nur verzögert auf das Weinen des Kindes, bedeutet das eine nachhaltige Erfahrung von Hilflosigkeit und Ohnmacht, einer häufigen Grundlage für pathologische seelische Entwicklungen. „Die Folgen dieser Erfahrung sind, dass das Kind in bedrohlichen Situationen schneller aus dem Gleichgewicht gerät, mehr Stresshormone ausgeschüttet werden und es länger braucht, bis es sich beruhigt hat. Es entwickelt die Grundhaltung: Ich bin nicht liebenswert. Meine Wünsche stoßen auf Ablehnung“, erklärt Dr. Wolf.

4 fundamentale Tipps für eine sichere Bindung

Ausgiebig schmusen! Intensiver Körperkontakt vermittelt gerade in den ersten Lebensmonaten das Gefühl des Beschützt – Seins.

Umgehend und liebevoll regieren! Lassen Sie Ihr Baby nicht lange weinen. Je schneller Eltern Ihr Baby in die Arme nehmen und liebevoll streicheln, desto stärker die Wirkung.

Zuverlässig agieren! Eindeutigkeit des Handelns ist eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung von Resilienz. Das Kind erlebt eine Bezugsperson, die auf seine Signale mal liebevoll und mal abweisend reagiert, als extrem verunsichernd.

Trösten und beruhigen! Babys Signale sind nicht immer eindeutig. Trost und Beruhigung zeigen einem weinenden, unruhigen Baby, dass Mama und Papa zur Stelle sind, wenn es Hilfe braucht.

Was tun, wenn die Bindung der Eltern zu den eigenen Eltern problematisch war?

Endlich ist das Wunschbaby da, aber Sie haben Probleme, ihrem Kind die Liebe und Zärtlichkeit zu geben, die es offensichtlich braucht und die Sie so gerne geben möchten? Viele Menschen haben in ihrer eigenen Kindheit kein Urvertrauen aufbauen können, und das macht sich im Umgang mit dem eigenen Nachwuchs bemerkbar. Zwar können wir frühkindliche Bindungserfahrungen nicht löschen, aber wir uns jederzeit neu ausrichten und positive Erfahrungen mit anderen Menschen sammeln. Außerdem können wir unsere Einstellung zu uns selbst verändern. Häufig gelingt es, mit Hilfe einer Therapie das Verhältnis zu den eigenen Eltern neu zu gestalten und Abstand von den eigenen Verletzungen zu gewinnen.

Die Psychologin Dr. Doris Wolf empfiehlt Eltern: Mehr Infos unter www.psychotipps.com

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Mütter stillen zu wenig

Direkt nach der Geburt beginnen etwa 90 Prozent der Mütter mit dem Füttern an der Brust. Nach zwei Monaten werden noch 70 Prozent der Säuglinge gestillt. Nach sechs Monaten sind es nur noch zwischen 40 und 50 Prozent. „Je jünger und sozial benachteiligter die Mutter ist, desto geringer ist die Stillquote, sagt Dr. med. Gabriela Stammer, Gynäkologin aus Wennigsen anlässlich der Weltstillwoche vom 30.9. bis 6.10.2019.

Einen häufigen Grund für das zeitige Abstillen sieht Katharina Desery von der Elterninitiative Mother Hood e. V. in der fehlenden Begleitung der Mütter nach der Geburt und in den ersten Wochen. „Mütter erhalten innerhalb der ersten entscheidenden Minuten im Kreißsaal und auf der Wochenbett-Station meist zu wenig Unterstützung vom Klinikpersonal.“ Sie seien oft auf sich alleine gestellt. Dann geben sie auch unter dem Druck nach, das Gewicht des Säuglings halten zu müssen, und stimmen der Fütterung durch künstliche Säuglingsnahrung zu. Darüber hinaus begünstigen mangelnde Still-Kenntnisse, falsches Anlegen und daraus entstehende Entzündungen der Brustwarzen das zeitige Abstillen.

Stillberatung vor der Geburt

Frauen sollten daher bereits vor der Geburt eine ausführliche Stillberatung erhalten, so Desery. Dabei müssen sie durch Frauenarzt, Hebamme, Klinik, Kinderarzt und ihr sozialen Umfeld informiert und unterstützt werden. „Stillberatung gehört zu den Aufgaben der Hebammen. Damit Stillberatung aber effektiv ist, muss sie auch von den andern Fachberufen geleistet werden“, sagt Jutta Eichenauer, Hebamme und 1. Vorsitzende des Hebammenverbands Baden-Württemberg. Ein möglicher Grund, weshalb die Beratung oft zu kurz kommt: „In der Hebammenarbeit wird die Stillberatung vergütet, beim Frauen- und Kinderarzt jedoch nicht.“ Habe die Mutter keine Hebamme – wie das heute leider allzu oft der Fall ist –, bleibe ihr eine solche Beratung meist vorenthalten.

Über die Muttermilch erhält der Säugling alles, was er zum Leben braucht. Darüber hinaus enthält Muttermilch Abwehrstoffe, die in der ersten Zeit seines Lebens das Immunsystem stärken. Das bewahrt das Baby vor Infektionen.

Schilddrüse Presse

Kranke Schilddrüse kann unfruchtbar machen

Eine Schilddrüsenfunktionsstörung kann die Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch sein. Meist handelt es sich um eine Schilddrüsen-Unterfunktion, die wenig oder keine Beschwerden macht. So findet sich unter Frauen mit einer Schilddrüsen-Unterfunktion ein Anteil von bis zu 60 Prozent, die ihre Monatsblutung nur unregelmäßig bekommen. „Davon sind wiederum etwa dreizehn Prozent unfruchtbar“, sagt Professor Matthias Schmidt, Nuklearmediziner an der Universität Köln.

Um festzustellen, ob eine Schilddrüsenstörung vorliegt, bietet sich zunächst ein einfacher Bluttest an. Gemessen wird dabei die Konzentration eines bestimmten Hormons (TSH) im Blut. Ein erhöhter TSH-Wert weist auf eine Unterfunktion hin. Grundsätzlich gilt: Ein niedriger TSH-Wert erhöht die Chancen auf eine Schwangerschaft.

Tabletten können helfen

Erste Ansprechpartner für einen TSH-Test sind Hausarzt oder Gynäkologin. „Liegen die Werte bei bestehendem Kinderwunsch zu hoch, helfen Levothyroxin-Tabletten. Sie steigern die Erfolgschancen für eine Schwangerschaft“, erklärt Matthias Schmidt. Die genauen Zusammenhänge sind noch nicht erforscht. „Man nimmt an, dass der TSH-Wert einen Einfluss auf den Vorgang des Einnistens des Embryos in die Gebärmutter hat. Andockstellen für TSH sind in der Gebärmutterschleimhaut vorhanden, und man fand die meisten Andockstellen in der Einnistungsphase“, so Schmidt.

Neben einer Schilddrüsen-Fehlfunktion sollte im Fall einer ausbleibenden Schwangerschaft anfänglich auch gleich abgeklärt werden, ob bei der Patientin ein sogenanntes polyzystisches Ovar-Syndrom (PCOS) vorliegt. „Darunter leiden nach Schätzungen vier bis zwölf Prozent der gebärfähigen Frauen in Deutschland“, erläutert die Hormonspezialistin und Privatdozentin Dr. Beate Quadbeck. aus Düsseldorf. Betroffene haben ihre Regelblutung selten, oft auch starken Haarwuchs an Brust, Rücken, Beinen oder Oberlippe, einen Überschuss an männlichen Hormonen und meistens kleine wassergefüllte Bläschen an den Eierstöcken, die auch als Zysten bezeichnet werden und im Ultraschall sichtbar sind.

„Schilddrüsen-Probleme und PCOS sind sehr häufige Ursachen für ungewollte Kinderlosigkeit und relativ einfach zu diagnostizieren“, so Quadbeck. „In Deutschland sollte keine Frau wegen einer leicht zu behandelnden Schilddrüsen-Unterfunktion auf eine Schwangerschaft verzichten müssen“, ergänzt Schmidt.

Miclhzähne schützen

Auch Fruchtzucker schadet

Etwa 15 Prozent der Vorschulkinder leiden an einer sichtbaren Schädigung des Zahnschmelzes. Frühkindlicher Karies gilt damit als häufigste chronische Erkrankung im Kleinkind- und Vorschulalter. Wir haben mit der Kölner Zahnärztin und Oralchirurgin Dr. Thea Lingohr, die sich auch auf die Behandlung kleiner Patienten spezialisiert hat, gesprochen. Sie hat uns im Interview erklärt, was den Zähnen schadet und was Eltern für starke Milchzähne tun können

Frau Dr. Lingohr, schenken Eltern dem Milchgebiss zu wenig Aufmerksamkeit?

Eltern können durch die richtige Pflege, gesunde Ernährung und Prophylaxe den entscheidenden Grundstein für die spätere Zahngesundheit legen. Gesunde Milchzähne sind ja eine wichtige Voraussetzung für gesunde bleibende Zähne und damit für das ganze Erwachsenenleben. Viele Eltern gehen fälschlicherweise davon aus, dass die ersten Zähne keiner gründlichen Pflege bedürfen, da sie ohnehin in absehbarer Zeit ausfallen.

Warum sind die Milchzähne so wichtig?

Gesunde Milchzähne erfüllen wichtige Aufgaben, unter anderem fördern sie den Spracherwerb, dienen als Platzhalter für den optimalen Wuchs der sogenannten bleibenden Zähne und unterstützen zudem die korrekte Ausbildung des Kinderkiefers. Daher rät der Bundesverband der Kinderzahnärzte zu regelmäßigen Zahnarztbesuchen bereits mit Durchbrechen der ersten Milchzähne, spätestens aber mit Vollendung des ersten Lebensjahres.

Welche Folgeschäden sind bei mangelhafter Pflege zu erwarten?

Auch nach Behandlung der sichtbaren Schäden tragen Betroffene die Bakterien ein Leben lang in sich. Bleibende Zähne, die sich unter den Milchzähnen bilden, erkranken so oft schon an Karies, noch bevor sie überhaupt durchbrechen.

Ist Karies denn ausschließlich eine Folge mangelnder Zahnpflege?

Das kann man mit einem klaren Nein beantworten. Karies entsteht vor allem als Folge einer mangelhaften und zu süßen Ernährung. Hauptverursacher sind Bakterien im Mundraum, die sogenannten Mutans-Streptokokken. Sie bilden, wenn genug Zucker zur Verfügung steht, eine Säure, die den Zahnschmelz angreift. Die Ernährung spielt bei der Entstehung von Karies also eine ganz wichtige Rolle.

Das Problem sind also die Süßigkeiten?

Nein, es ist der Zucker als solcher. Fruchtzucker, Milchzucker und Traubenzucker schaden dem Zahnschmelz im selben Maße wie Haushaltszucker oder Süßigkeiten.

Obst gilt doch als besonders gesund. Gilt das für Kinderzähne nicht?

Natürlich ist Obst ein wichtiger Bestandteil der gesunden Ernährung. Wichtig ist aber, dass die Pausen zwischen den Mahlzeiten lang genug sind. Dann können die im Speichel enthaltenen Minerale Kalzium und Phosphat durchaus erste kleine Defekte am schützenden Zahnschmelz reparieren. Dauerhaftes Nuckeln der Kleinkinder am Fläschchen mit gesüßtem Tee oder Säften ist auch deshalb ein ernsthaftes Problem, weil das ständige Trinken an sich den Reparaturprozess der Zähne stört.

Können Eltern ihren Nachwuchs denn auch mit eigenen Kariesbakterien infizieren?

Ja in der Tat, das kommt gar nicht selten vor. Auch Eltern können unwissentlich und unbeabsichtigt Kariesbakterien über ihren eigenen Speichel auf das Kind übertragen und es so anstecken. Das passiert beispielsweise, wenn Eltern den Sauger in den Mund nehmen. So überprüfen Eltern ja oft die Temperatur der Milchmahlzeit.

Prophylaxe & Pflege Dr. Lingohr empfiehlt

1 regelmäßige halbjährliche Zahnarztbesuche bereits mit Durchbrechen der ersten Milchzahne, spätestens aber mit Vollendung des ersten Lebensjahres.

2
die Kinder mit zu den eigenen Kontrollterminen nehmen und einen angstfreien Umgang mit dem Zahnarzt vorleben.

3
fluoridhaltige Kinderzahnpasta, die den Zahnschmelz widerstandsfähiger gegen Kariesbakterien macht.

4 weiche Kinderzahnbürsten mit dickem, rutschfestem Griff und ab dem dritten Lebensjahr auch gerne die elektrische Variante. Für Sauglinge Fingerhütchen mit Kunststoff- Borstenfeld.

Wissenswert

Sowohl Milch- als auch bleibende Zähne bestehen jeweils aus drei Teilen, der Zahnkrone, dem Zahnhals und der Zahnwurzel. Kinderzahne sind etwas kleiner als ihre Nachfolger und verfügen über eine dünnere Zahnschmelzschicht. Diese überzieht den sichtbaren Teil des Zahnes, die Krone, und schützt sie vor schädlichen Einflüssen. Im Kieferknochen verborgen oder vom Zahnfleisch verdeckt liegen die unsichtbaren Teile des Gebisses, die Zahnhalse und die Zahnwurzeln, die der sogenannte Zahnzement umschließt und schützt. Die Hauptmasse des Zahns bildet das darunter liegende Zahnbein, in dessen Inneren der Zahnnerv liegt, den sowohl Nervenfasern als auch Lymph- und Blutgefäße durchziehen. Als empfindlichstes Organ des Zahns versorgt der Nerv Krone, Hals und Wurzel mit lebenswichtigen Stoffen.

Zur Person Dr. med. dent. Thea Lingohr MSc., Zahnärztin und Oralchirurgin aus Köln mit eigener Praxis in Köln Weitere Informationen unter www.dr-lingohr.de

 

Rauchfrei durch die Schwangerschaft

Ohne Alkohol und Tabak durch die Schwangerschaft

Das Universitätsklinikum Tübingen hat in Kooperation mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ein neues kostenloses Online-Beratungsprogramm für werdende Mütter entwickelt. Damit können Schwangere, denen der Verzicht auf Alkohol und Tabak schwer fällt, persönlich unterstützt werden, während ihrer Schwangerschaft alkohol- und rauchfrei zu bleiben. Nach einer Modellphase geht das Onlineprogramm www.iris-plattform.de jetzt neu an den Start. Die IRIS-Onlineberatung begleitet Schwangere individuell von der Vorbereitung des Konsumverzichts durch alle Phasen des Ausstiegs. Die teilnehmenden Frauen durchlaufen die klassischen Schritte einer Beratung, können diese aber online und in ihrem persönlichen Tempo gestalten.

Immer noch rauchen 12 Prozent der schwangeren Frauen und etwas mehr als 25 Prozent trinken zumindest gelegentlich Alkohol, obwohl die negativen Folgen von Tabak- und Alkoholkonsum wissenschaftlich vielfach belegt sind. Tabakkonsum während der Schwangerschaft schränkt die Versorgung des Embryos mit Sauerstoff und Nährstoffen ein – das kann in der Folge zu Früh- und Fehlgeburten führen. Alkohol als Zellgift behindert die geistige und körperliche Entwicklung des Embryos im Mutterleib. Die Folge können irreversible Schädigungen bis hin zum Vollbild des FASD-Syndroms (der Fetalen Alkohol-Spektrum-Störung) sein. Betroffene Kinder sind häufig ein Leben lang auf fremde Hilfe angewiesen.

„Alkohol und Tabak müssen ein selbstverständliches No-Go werden“

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, erklärt: „Alkohol und Tabak in der Schwangerschaft müssen endlich ein selbstverständliches ‚No-Go‘ werden! Jede Schwangere gefährdet sich und ihr Ungeborenes massiv: Die Kinder können durch den Alkoholkonsum ihrer Mütter schwerwiegende gesundheitliche Einschränkungen erleiden und später extreme Probleme bekommen, ihren Alltag zu bewältigen. Beim Tabakkonsum sind Wachstumsminderung, Fehlbildungen oder spätere Verhaltensauffälligkeiten mögliche Folgen. Wir müssen diese Kinder schützen und die Schwangeren weiter aufklären! Daher ist es wichtig und richtig, dass wir mit den Frauen durch Hilfsangebote wie IRIS direkt in den Dialog treten und sie somit auf dem Weg in die Abstinenz unterstützen.“

Dr. med. Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, betont: „Das Programm IRIS ergänzt in hervorragender Weise die Präventionsangebote der BZgA für Schwangere im Bereich der Suchtprävention. Wir wollen Frauen darüber informieren, dass Alkohol- und Tabakkonsum in der Schwangerschaft zu schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen beim Ungeborenen führen kann. Gleichzeitig ist es uns ein wichtiges Anliegen, Frauen bei der Konsumreduzierung zu unterstützen. Ein persönliches, individualisiertes Online-Programm wie IRIS eignet sich dafür besonders gut.“

Projektleiter Prof. Dr. Anil Batra, Leiter der Sektion für Suchtmedizin und Suchtforschung am Universitätsklinikum Tübingen, ergänzt: „Schwangere erhalten bei IRIS die persönliche Unterstützung einer speziell qualifizierten Therapeutin per E-Mail. IRIS kann sich damit flexibel auf die individuellen Sorgen und Wünsche von Schwangeren einstellen und ihnen helfen, alkohol- und tabakfrei durch die Schwangerschaft zu gehen.“

Weitere Informationen:

https://www.iris-plattform.de/
www.facebook.com/irisplattform

Allgemeine Informationen zum Thema „Alkoholfreie Schwangerschaft“ im Rahmen der BZgA-Präventionskampagne „Alkohol? Kenn dein Limit.“ Für Erwachsene:
https://www.kenn-dein-limit.de/alkohol/schwangerschaft-und-stillzeit/

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Mütter wollen reden!

Reden, das ist es, was Mütter nach der Entbindung wollen. Das sagt zumindest die Bielefelder Gesundheitswissenschaftlerin Prof. Dr. Petra Kolip. Sie hätten das Bedürfnis, die Geburt zu reflektieren. Vor allem nach einem Kaiserschnitt oder einer Saugglockengeburt sei das der Fall, erläutert die Expertin. „Aber auch, wenn alles ohne Komplikationen verlaufen ist, suchen viele Frauen nach einer Einschätzung.“ Zwar gingen Schwangere heute gut vorbereitet in die Geburt. „Aber das ist so ein existenzielles Erlebnis. Da kann man noch so gut informiert sein, es fühlt sich anders an, und häufig läuft es nicht nach Plan“, sagt Kolip. Daher seien Gespräche mit den bei der Geburt beteiligten Personen wichtig. Auch Astrid Saragosa, Familientherapeutin in Weilheim, betont die Bedeutung von Nachsorgegesprächen. Denn wenn nicht alles nach Plan laufe, gäben sich viele Frauen selbst die Schuld. „Dabei könnte eine klärende Einordnung, warum der Arzt oder die Hebamme bestimmte Maßnahmen gewählt haben, sehr hilfreich sein für die Verarbeitung des Geburtserlebnisses“, sagt Saragosa.

Wenn Mütter die Fassung verlieren

Viele Mütter erleben in den ersten Tagen nach der Entbindung eine kurze Phase, in der sie „leicht die Fassung verlieren“, stimmungslabil und ängstlich sind und grundlos weinen. Dieser sogenannte Baby Bluesklingt nach kurzer Zeit ohne Behandlung wieder ab. Wenn die depressiven Symptome allerdings über einen längeren Zeitraum anhalten, kann sich eine ernstzunehmende Erkrankung mit potenziell schwerwiegenden Folgen für Mutter wie Kind und oft auch die ganze Familie entwickeln: die Postpartale Depression.

Auch bereits während der Schwangerschaft zählen Depressionen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Viele Frauen sind in dieser Zeit sehr ängstlich, machen sich große Sorgen über die Entwicklung des Kindes im Mutterbleib. Sie (ver-)zweifeln daran, ob sie die mit der Mutterschaft verbundenen Erwartungen und Anforderungen erfüllen können. Depressionen während der Schwangerschaft können sich direkt auf den Fötus auswirken und gehen mit erhöhtem Frühgeburtsrisiko und geringerem Geburtsgewicht einher.

Neben dem Leidensdruck und den Folgen der Erkrankung für die Mutter können Prä- und Postpartale Depressionen langfristig auch die Entwicklung kognitiver oder emotionaler Fähigkeiten des Kindes beeinträchtigen. Deswegen bedürfen Depressionen rund um die Geburt eines Kindes professioneller Behandlung. Depressionen sind auch in dieser Lebensphase gut behandelbar.